Türkei – Georgien – Kurdistan

 

8. August – 26. Oktober 2010

 

 

Sonntag, 8. August: Endlich geht es wieder los! Kurz vor 9.00 Uhr starten wir. Schnell noch zur Tankstelle und dann zum Parkplatz Werla an der 395 kurz vor Schladen. Hier treffen wir uns mit Inge und Manfred. Schnell noch eine Funkprobe, bevor es losgehen kann. Katastrophe – unsere Funke hat einen Wackelkontakt im Mikrofonkabel. Noch ist nichts zu spät, denn zuhause im Keller liegt noch eine komplette Funke im Regal. Hin- und Rückfahrt sowie Einbau nehmen eine Stunde in Anspruch. Um 10.30 Uhr starten wir endlich! Die Fahrt verläuft mit Ausnahme eines längeren Staus auf der Autobahn hinter Regensburg völlig problemlos. Gegen 18.00 Uhr fahren wir unseren Parkplatz vor dem Sportplatz in Winzer an. Wir stehen keine 100 Meter vor der Hochwasser führenden Donau entfernt. 647 km – tolles Wetter.

Montag, 9. August: Nach einer ruhigen Nacht brechen wir vor 9.00 Uhr auf. In Passau erreichen wir mit dem letzten Tropfen Diesel eine Tankstelle. Dann geht es nach einem kurzen Verfahren durch das enge Passau. Wir durchfahren das herrliche Donautal bis Linz und dann immer weiter bis Ybbs. Weiter geht es durch wunderschöne Landschaften vorbei an immer wieder unverständlichen österreichischen Verbotsschildern für Fahrzeuge über 3,5 t bis nach Müllendorf. Am Ortsausgang machen wir bei einer Pizzeria Station (auf einem ehemaligen Stellplatz mit noch vorhandener Entsorgung). Hier gibt es das erste Efes-Bier – die Besitzer sind Türken. Hier am Lokal können wir auch über Nacht stehen. 335 km - Superwetter.

Dienstag, 10. August: Die Nacht verläuft ruhig. Nachdem wir entsorgt haben, starten wir um 8.00 Uhr. Die Einreise nach Ungarn erfolgt ohne jegliche Kontrollen. Schengen sei Dank. Die Eintagesmaut für Ungarn beträgt 12 €. Die „Vignette“, ein Kassenbon, bekommen wir an der Tankstelle an der Grenze auf ungarischer Seite. Da die Kraftstoffe auf der österreichischen Seite preiswerter sind, hat man hier die Zapfsäulen gleich mit Ketten verschlossen und beschränkt sich auf den Verkauf der Vignetten. Die ungarischen Straßen und Autobahnen sind mit Ausnahme der letzten Strecke jenseits von Mako in gutem Zustand, so dass wir zügig vorankommen. Nach Mako sind die Straßen extrem ausgefahren und die Spurrillen gleichen eher Gräben. Der Fahrstil in Ungarn ist manchmal etwas gewöhnungsbedürftig und riskant. Die Einreise nach Rumänien verläuft von einer Passkontrolle abgesehen völlig problemlos. Keine Fahrzeugkontrolle – keine Desinfektion der Mobile wie wir es 2006 kennen gelernt haben. Die Maut beträgt für sieben Tage 9 €. Die rumänischen Strassen sind gut. Aber als Transitstrecke sind sie sehr stark hauptsächlich von LKW befahren. Den angepeilten Campingplatz in Arad gibt es nicht mehr. Wir stehen aber exakt auf dem ehemaligen Gelände (Koordinaten), auf dem sich heute ein Bad mit reichlicher Restauration befindet. Hier essen wir auch zu Abend eine riesige Fischplatte. Auf dem Parkplatz vor einem Nachtlokal unter polizeilicher Bewachung verbringen wir die Nacht – nicht immer ganz so ruhig wie man es gerne hat, aber durchaus erträglich. 502 km – tolles Wetter – sehr warm.

Mittwoch, 11. August: Wir mutieren immer mehr zu Frühaufstehern. Um 8.00 Uhr starten wir wieder. Es geht auf fast immer guten Strassen bis Brasov. Die guten Strassen sind natürlich dem Gelände angepasst, d.h. sie haben Kurven und Senken und Erhebungen. Beim Überholen wird die nicht vorhandene Weitsicht der rumänischen Fahrer dann halt durch (todes)mutigen Fahrstil ersetzt. Mehrere Fastkollisionen haben wir mit ansehen müssen. Die Ortsdurchfahrten durch die langen Straßendörfer ziehen sich fast endlos hin. In den größeren Städten herrscht das totale Verkehrschaos. Mit den vielen Kreisverkehren kommen nicht alle zurecht. Die Städte sind dem gewachsenen Verkehrsaufkommen durch den EU-Beitritt nicht gewachsen. Erschöpft erreichen wir am späten Nachmittag unseren Campingplatz Draste bei Brasov. Unterwegs hatten wir an der Strasse 3 Kilo frische Pfifferlinge für 10 € kaufen können. Die lassen wir uns jetzt schmecken – lecker. 422 km – teilweise dunstig, aber 28 Grad – am Abend kurze Schauer.

Donnerstag, 12. August: 8.00 Uhr – wir verlassen den gepflegten Campingplatz. In engen Serpentinen geht es hoch in das Gebirge. Durch einige stark besuchte Urlaubsorte geht es durch wunderschöne Gebirgslandschaften. Der Abstieg aus den Bergen verläuft schwächer. Die Tagestemperaturen steigen auf über 36 Grad im Schatten – in der Sonne messen wir 43 Grad. Die Klimaanlage im Mobil hat einiges zu leisten. Die Strassen sind zum größten Teil gut, so dass wir auch gut vorankommen. Hier und da sehen wir auch mal einen Panjewagen. Die Hufnagelgefahr für unsere Reifen hat sich deutlich verringert gegenüber unserer ersten Rumänienfahrt 2004. Gegen 17.00 MEZ finden wir einen Campingplatz kurz vor Mangalia. Den vom ADAC benannten finden wir trotz Koordinatenangabe nicht. Die Angaben vom ADAC sind auch nicht mehr die besten. Der Platz ist zum Bersten voll mit rumänischen Zelturlaubern, wenigen Wohnwagen und noch 4 anderen Mobilen. Wir beschließen, hier einen Tag zur Regeneration einzulegen.

Freitag, 13. August: Die Nacht verläuft südländisch, d.h. es kommen auch morgens um 3.00 Uhr noch Neuanreisende, die ihre Zelte aufbauen, Häringe einschlagen, Autos rangieren und sich dabei natürlich lautstark unterhalten. Am Tage übersteigt das Thermometer wieder die 35 Gradmarke im Schatten. Am Abend verfallen die Rumänen in einen kollektiven Grillrausch. Gegrillt wird auf stark qualmendem Holzfeuer in mehr als hundertfacher Ausfertigung. Zum Überleben wären Atemschutzgeräte und zur Orientierung Nachtsichtgeräte wünschenswert. Nach 22.00 Uhr erlischt auch das letzte Feuer – überlebt!

Samstag, 14. August: Die Nacht verlief wieder südländisch – die Nachttemperatur fiel nur auf 30 Grad Celsius ab – die Schlafqualität war bescheiden. Nichts wie weg! Vor 8.00 Uhr hauen wir ab. Die Einreise nach Bulgarien verläuft problemlos – Passkontrolle – Maut (5 € für 7 Tage). Die ersten 50 km Strasse sind in sehr desolatem Zustand. Danach geht es flott weiter. Die Durchfahrten durch Varna und Burgas stellen dank Navi keine Probleme dar. Kurz nach Burgas kommt der Abzweig nach Malko Tarnovo, dem letzten Nest vor der türkischen Grenze. Der Straßenzustand lässt zu wünschen übrig. Der Neubau wird angekündigt und teilweise sind offensichtlich für Bestätigungsfotos für Brüssel auch schon einmal 100 Meter Bordsteinkanten gesetzt. Die geleisteten EU-Mittel fließen aber wohl nicht hierher zur Verbesserung der Infrastruktur und zum Anschluss an die Türkei. Sie füllen sicher andere Taschen. Die Einreise in die Türkei verläuft schleppend mit ungenügender Pass-Stempelung, die unnötiges hin und her verursacht. An diesem Grenzübergang arbeiten entweder nur Strafversetzte und Unlustige, oder sie sind vom Ramazan, wie es in der Türkei heißt, schon so sehr geschwächt. Die Straßen nach dem Grenzübergang sind mit Unterstützung der EU hervorragend vierspurig ausgebaut. In Kirklareli übernachten wir auf dem gleichen Platz wie bereits 2006, leider hat das Lokal auf der anderen Straßenseite wegen Ramazan geschlossen. Wir hatten uns so auf Lamm aus dem Ofen gefreut.

Sonntag, 15. August: Die Nacht hat sich bis auf 22 Grad abgekühlt, und wir haben hervorragend geschlafen. Nach 25 km guter Landstraße erreichen wir die Autobahn. Die Passage von Istanbul gestaltet sich am Sonntag ohne jeglichen Verkehrsstau. Gegen 15.00 Uhr erreichen wir Gerede. Wir finden einen schönen Parkplatz vor dem Krankenhaus. Wir stehen hier ganz allein, trotzdem werden wir hier nicht geduldet. Im Geleit werden wir oberhalb der Stadt zu einem Naherholungsbereich geführt. Der fällige Eintritt wird für uns bezahlt. Hier stehen wir nun – nicht ganz glücklich aber immerhin. Zum Abend wird es hier voll. Die Türken reisen mit ihren Familien und Pütt und Pann an zum Grillen. Im Ramazan dürfen die Gläubigen erst nach Einbruch der Dunkelheit Essen, Trinken, Rauchen usw. Wir gehen im benachbarten Hotel zum Buffet. Salate und Desserts sind in reichlicher Auswahl vorhanden – mit den Hauptmenues sieht es nicht so toll aus. Hier lernen wir Alp, einen Fußballtrainer aus Trabzon kennen, der schon Bundesligamannschaften trainiert hat. Die Nachttemperatur sinkt hier in fast 1500 Meter Höhe auf 16 Grad.

Montag, 16. August: Gut ausgeschlafen geht es in Richtung Sinop an die Schwarzmeerküste. Der Weg führt durch herrliche Landschaften auf teilweise brutalen Straßen. Wir durchfahren ein Plateau auf Höhe von 400 – 500 Metern, das durch einen großen Fluss bewässert wird, so dass hier üppiger Reisanbau betrieben wird. Das Randgebirge vor der Schwarzmeerküste will erkämpft werden. Unsere Mobile müssen bei hohen Temperaturen bis auf 1122 Meter steigen. Wir haben die Kühlwassertemperaturen immer gut im Auge. In Sinop stehen wir wieder etwas unruhig am Hafen.

Dienstag, 17. August: Heute war Ausschlafen angesagt. Nach den Nachttemperaturen von 29 Grad kamen wir erst in den Morgenstunden zum Schlaf. Vormittags haben wir uns türkische SIM-Karten für unsere Handys besorgt – eine langwierige Prozedur. Für 2 Karten dauert es 1,5 Stunden. Die Verständigung erfolgt über ein Übersetzungsprogramm auf dem PC. Türkisch in englisch oder deutsch bzw. zurück lässt sich nicht 1:1 übersetzen. Häufig haben wir uns gegenseitig nicht verstanden. Nach der ersten Karte gibt die erste Mitarbeiterin nach 1 Stunde entnervt auf – vermutlich beantragt sie gleich eine Kur. Mit der zweiten Mitarbeiterin und der 2. Karte geht es schneller. Am Nachmittag treffen wir mit den Eltern einer lieben türkischen Familie aus Lengede zusammen und verbringen nette Stunden miteinander. Abends gehen wir zusammen in ein Fischlokal und essen fürstlich. Wir haben dazu eingeladen, dürfen aber die Rechnung nicht übernehmen – eine etwas unangenehme Situation.

Mittwoch, 18. August: Die Nacht ist drückend schwül. Zu gewohnter Zeit brechen wir nach Ünye, 35 km östlich von Samsun auf. Die Straßen sind teilweise neu und Autobahn ähnlich und teilweise Schotterpisten. Mittags finden wir 3 km vor Ünye den gesuchten Campingplatz. Der Kessel Buntes ist fällig. Unsere Frauen wollen alle Wäsche auf Reihe bringen, bevor es in Kürze nach Georgien und dann in die Osttürkei geht. Denn dort wird es so schnell keine Gelegenheit dafür geben. Der CP ist einfach und liegt direkt unter der stark befahrenen Hauptstraße. Dafür haben wir einen schönen schattigen Platz und einen tollen Sandstrand. Das Wasser hat sicher 30 Grad, und so erfrischt die Süßwasserdusche am Strand am meisten.

Sonntag, 22. August: Seit gestern hat sich das Wetter eingetrübt. Heute früh regnet es etwas. Nach dem Frühstück verladen wir den Roller und ent- bzw. versorgen noch, so dass wir um 9.00 Uhr aufbrechen. Unser heutiges Ziel heißt Giresun. Die Strasse auf diesem Abschnitt ist fertig ausgebaut, daher kommen wir gut voran. Die Kehrseite des Ausbaues ist aber, dass die Orte durch die Straße vom Meer meist getrennt sind und es keine Möglichkeiten zum Halten gibt. So sieht es auch in Giresun aus. Wir fahren weiter. Als wir schon an Tirebolu vorbei sind, drehen wir uns noch einmal um und sehen eine viel versprechende Bucht mit Hafen. Bei nächster Gelegenheit kehren wir um. Tirebolu hat einen hübschen Hafen mit einer kleinen Festung und guter Möglichkeit für unsere Mobile. Am Abend essen wir Hamsi (Sardinenspezialität der Schwarzmeerküste) im nächsten Lokal. Wir sitzen direkt am Wasser in toller Kulisse. Vorsuppe, Hamsi, Dessert, Mineralwasser für 4 Personen ca. 25 €.

Montag, 23. August: Der Himmel ist weiterhin bedeckt. Bei leichter Schwüle erreichen wir heute 28 Grad und lassen es ruhig angehen. Wir wollen nur bis Akcaabat. Hier soll am Dienstag einer der schönsten Märkte der Schwarzmeerküste stattfinden. Direkt am Wasser finden wir einen Parkplatz in Nähe des Stadtzentrums. Hier lernen wir Haci kennen. Er spricht uns auf dem Parkplatz an. Er hat hier mit einem Partner zwei tolle Restaurants, wo wir am Abend auch sehr lecker essen. Nach dem Essen machen wir noch einen Spaziergang entlang der Bucht. Nach unserer Rückkehr sieht Inge auf einmal alles doppelt. Als sich das nicht bessert, geht es unter Begleitung einer sehr netten jungen Deutsch/Türkin noch in das örtliche Krankenhaus. Inge kommt nach gründlicher Untersuchung an den Tropf. Um Mitternacht kommt sie wohl behalten und topfit zurück. Im Krankenhaus war der Bär los. Einige Türken überstehen offensichtlich einen enthaltsamen Ramazantag nicht problemlos, und holen sich dann ihre Portion im Krankenhaus am Tropf ab.

Dienstag, 24. August: Inge ist heute in absoluter Topform. Früh erreichen wir heute schon bei bewölktem Himmel die 30-Gradmarke. Es ist sehr schwül. Manfred begleitet die beiden Frauen zum Wochenmarkt, während ich mit Nicky im Mobil bleibe. Bei rundum offenen Fenstern lassen wir es uns gut gehen. Die Erwartung an den Markt war größer als die Realität. Das Papier des Reiseführers war halt geduldig. Um 12.00 Uhr brechen wir dann nach Trabzon auf. Am Ortsanfang ist bereits die Hagia Sophia ausgeschildert. Die Worte des Reiseführers und die Erinnerung an die Hagia Sophia in Istanbul im Gedächtnis starten wir zur Besichtigung. Auch hier trifft die Wirklichkeit uns sehr ernüchternd. Der Putz ist mit seinen Fresken nur noch bruchstückhaft erhalten und die Gesamtdimensionen sind doch deutlich kleiner. Wegen der Schwüle verzichten wir auf einen Besuch der Innenstadt und fahren weiter nach Macka und Richtung Sumelakloster. Auf einem CP nach Macka machen wir Station.

 

Mittwoch, 25. August: Heute sind wir besonders gut ausgeschlafen. Die Nacht war sehr ruhig und angenehm kühl. Um 10.40 Uhr werden wir von einem Dolmus abgeholt. Auf kurvenreicher Strecke geht es immer nur aufwärts. Unser Ziel ist das in fast 1200 Meter Höhe gelegene Sumela-Kloster. Den letzten steilen Aufstieg über viele Stufen legen wir dann zu Fuß zurück. Das alte orthodoxe Kloster scheint an den Felsen geklebt zu sein. Es ist schon zu großen Teilen restauriert. Leider haben sich Schmierfinken auf den Außenfresken verewigt. Der Abstieg zur Busstation ist steil und anstrengend. Wir werden aber dort im Restaurant mit Köfte und Ayran bzw. Effes für die Anstrengung entschädigt.

Donnerstag, 26. August: Nachts hat es geregnet. Gegen 10.00 Uhr brechen wir auf. Unterwegs besuchen wir einen größeren Wochenmarkt am Straßenrand. Die Straßen sind gut, so dass wir schon mittags in Rize eintreffen. In Zentrumsnähe finden wir auf einem großen Parkplatz am Rande auch Platz für unsere Mobile. Aus einer Stadtbesichtigung wird leider nichts, denn es regnet, was nur so vom Himmel fallen kann. Der Parkplatz steht zeitweise unter Wasser.

Freitag, 27. August: Nach Mitternacht streifen 4 - 5 Männer um unsere Mobile, so dass wir in besser beleuchtete Bereiche des P umsetzen. Auch jetzt wieder heftige Regenfälle. Um 8.30 Uhr starten wir Richtung Georgien. Am östlichen Ortsausgang aus Rize hat es durch die wolkenbruchartigen Regenfälle Erdrutsche gegeben. Einige Häuser sind ebenfalls von den Hängen abgerutscht. Die Straßen sind mit Schlamm, Geröll und entwurzelten Bäumen bedeckt. Die Räumarbeiten sind in vollem Gange. Die Grenzabwicklung von der Türkei nach Georgien verläuft abgesehen von den typischen Schwierigkeiten mit den Rollern problem- und reibungslos. Der Straßenverkehr ist das Chaotischste, was wir bisher erlebt haben. Hier fährt man absolut unorthodox. Jeder Georgier führt sich als Einzelkämpfer auf. Wir erreichen Batumi, wo wir uns dann auch prompt verfahren. Die Hauptstraßen befinden sich in relativ gutem Zustand, die Nebenstrassen sind der blanke Horror. Die Schlaglöcher sind dicht gesät und manchmal unergründlich tief, zumal sie voller Wasser stehen. Schließlich finden wir doch den Parkplatz hinter dem Aquarium. Die Stadt zeigt sich in typisch sozialistisch/kommunistischem Größenwahn. Protzigen Prachtstrassen gegenüber stehen erbärmliche Nebenstrassen. Prachtbauten stehen erbärmlichen Wohnblöcken gegenüber.

Samstag, 28. August: Der Parkplatz hinter dem Aquarium ist ein Glücksgriff – wir haben sehr ruhig geschlafen. Nach dem Frühstück fahren wir erst entlang der Küstenstrasse und dann durch eine wunderschöne Landschaft nach Kutaisi. Die Straßen sind zum größten Teil noch gut aber sehr kurvig. Damit es uns nicht langweilig wird, sind die Straßen wie in Indien mit reichlich frei laufenden und auf den Straßen ruhenden Kühen bevölkert. Sie lassen sich durch nichts auf dieser Welt stören. Und damit das nicht so eintönig wird, leisten ihnen hier und da auch noch Schweine Gesellschaft. So schön auch die Landschaft ist, so ärmlich sind viele Häuser auf den Dörfern. In Kutaisi finden wir recht schnell die Bagrati-Kathedrale. Sie zählt zu den Weltkulturerben. Der Aufstieg ist bei über 30 Grad und unebenem Weg recht beschwerlich. Leider ist von der Kathedrale hinter Bauzaun und Gerüst nicht ganz so viel zu sehen. Wegen der hohen Temperaturen und der schlechten Strassen beschließen wir, nicht weiter ins Land zu fahren, sondern morgen zurück an die Schwarzmeerküste zu kehren. Nachts fließt viel Verkehr an unseren Mobilen vorbei und auch die hohen Nachttemperaturen lassen uns nicht gut schlafen.

Sonntag, 29. August: Leidig erholt soll es weiter gehen. Unser gestriger Beschluss zurück an die Schwarzmeer-Küste zu fahren, findet in unserem Reiseführer Bestätigung. In Tiflis beträgt die Temperatur im August bis 50 Grad. Also nichts wie weg hier. Um 9.00 Uhr haben wir schon 31 Grad. Der Ort Poti, Hafenstadt und Fährhafen nach Odessa, sieht recht traurig aus. Etwas weiter südlich, in Grigoleti, finden wir in einem Kiefernwäldchen am Meer eine Stellmöglichkeit für die Mobile. Wohlhabende Georgier haben hier schöne Häuser. Wir stehen vor dem Haus eines Juristen aus Poti, der uns sofort einlädt, sein wunderschönes Haus zu besichtigen. Wir müssen seinen eigenen Rotwein probieren und bekommen das Angebot, unentgeltlich in seinem Haus zu übernachten. Wir lehnen dankend ab. Ein Schlaf im Mobil ist halt durch nichts zu ersetzen. Unser Jurist nutzt das Haus nur gelegentlich – zu viel Arbeit in Poti. Trotzdem lädt er uns sofort für morgen zum Barbecue ein. Um 13.00 Uhr will er mit Steaks zurück sein. Wir baden im warmen Schwarzen Meer (Wassertemperatur um 30 Grad) und genießen eine herrliche Nachtruhe.

 

Montag, 30. August: Unser Jurist trifft früh genug ein, so dass wir pünktlich zu 13.00 Uhr zum Essen kommen sollen. Er hat mit seinen Freunden Salat zubereitet und große Spieße mit Schaschlik gegrillt. Das Schweinefleisch wird hierzu offensichtlich so wie es kommt mit dem Beil zerkleinert, so daß sich auf den Spießen immer wieder Knochenteile mit befinden. Das tut dem Genuß aber keinen Abbruch. Abgerundet wird das Mal durch georgischen Wein. Es schmeckt vorzüglich.

Dienstag, 31. August: Wir verbringen den Tag mit Baden und Faulenzen.

Mittwoch, 1. September: Heute Nacht dreht der Wind. Er kommt nicht mehr von der Seeseite sondern vom Land und bringt 30 Grad Lufttemperatur mit. Die Luft ist zum Schneiden. Nach dem Frühstück wollen wir aufbrechen. Doch gleich nach dem Starten geht unser Motor wieder aus. Nach fast 20.000 km Fahrleistung lässt unser Marderschaden vom letzten November wieder grüßen. Das Kabel vom Drucksensor der Common-Rail-Anlage ist genau an der gelöteten Stelle wieder gebrochen, wo der Marder zugeschlagen hatte. Nach mehreren Anläufen gelingt mir an der fast nicht zugänglichen Stelle ein provisorisches erneutes Löten. Wir fahren bis Batumi. Kurz zuvor reißt beim Tanken der Griff zum Fach der Aufbaubatterien ab, wo sich auch der Tankverschluss hinter befindet. Es muss heute mein Glückstag sein.

Donnerstag, 2. September: Extreme Luftfeuchtigkeit und hohe Nachttemperatur haben uns kaum schlafen lassen. Wir starten früh zur Grenze. Die Abwicklung erfolgt schleppend. Mitten in der zähen Abwicklung, aber schon auf türkischer Seite, bricht die Lötstelle erneut, und der Motor stirbt ab. Totales Chaos bricht aus bis die anderen Autos einen Weg um uns herum gefunden haben. Der Motor muss erst etwas abkühlen, bevor ich mich in den Motorraum zwängen kann. Jetzt schnell Verlängerungs-Kabel auslegen, Generator an und Lötkolben anheizen. Nach dem 3. Versuch ist die Reparatur gelungen. Nach erfolgter Abfertigung fahren wir fast 200km bis zur Mercedes-Werkstatt in Trabzon. Der Werkstattleiter hat 34 Jahre in Deutschland gelebt und schickt sofort seinen Elektrofachmann ans Werk. Der ist um einiges zarter als ich gebaut und hat weniger Mühe, an das Drucksensorkabel zu kommen. Beim zweiten Versuch ist die Reparatur erfolgreich. Besagtes Kabel ist ein Spezialkabel und muss aus Deutschland kommen – Lieferzeit 20 Tage. Daher wird türkisch repariert. Soll mindestens bis China und zurück oder bis zum Mond halten. Zum Abend setzt Regen ein. Wir fahren mit dem Dolmus zum bekanntesten Köfte-Restaurant. Wie überall gibt es nur Ramazan-Menues. Alle sitzen vor ihren Tellern und Gläsern und warten auf den lang ersehnten Knall. Durch einen Böller wird offiziell der Einbruch der Nacht und somit das Ende des Fastens für diesen Tag verkündet. Durch den Regen sinkt die Temperatur auf 23 Grad, so dass wir bestens schlafen.

Freitag, 3. September: Wir verabschieden uns vom Werkstattleiter und seiner Crew. Unser heutiger Abschnitt führt uns ins Hochland nach Erzurum. Der Aufstieg über das Saumgebirge führt uns durch dichte Wolken bis auf eine Höhe von ca. 2000 Metern. Steigungen bis zu 10 % müssen die Mobile bewältigen. Die gefallenen Außentemperaturen machen es den Motoren leichter. Oben angekommen erwartet uns herrlicher Sonnenschein und eine tolle Aussicht auf die Täler, zu denen wir wieder absteigen. Die Landschaften wechseln von grüner Natur bis zu karstiger Berglandschaft oder weiten Ebenen mit Stoppelfeldern. Es geht immer wieder bergauf und bergab. Wir kommen aber nicht mehr unter 1200 Metern, steigen dafür bis 2400 Meter. Am frühen Nachmittag erreichen wir Erzurum in einer Höhe von ca. 1800 Metern. Neben einer Parkfläche machen wir Station. Die trostlose und erzkonservative Stadt wird geprägt vom Militär und der Universität.

Samstag, 4. September: Nicky hat Geburtstag – sie wird 12 Jahre alt. Zu gewohnter Zeit starten wir nach Kars/Ani. Die rund 200 km führen uns durch eínen Wechsel atemberaubender Landschaften. Trostlose gigantische Berglandschaft, grüne Täler und Schluchten von Flüssen durchzogen - gleich Oasen in der Wüste - sowie fast endlose Stoppelfelder von abgeernteten Weizenfeldern und nach Nahrung suchenden Rinderherden. Wir befinden uns immer in Höhen zwischen 2000 und 1600 Metern. Im Frühjahr nach der Schneeschmelze muss hier alles üppig grün sein. Die Bienen aus den zahllosen Kästen werden dann Nahrung im Überfluss vorfinden. Die letzten 45 km nach Kars bis Ani verlaufen auf guten 4-spurigen Strassen bis an das Ende der türkischen Welt. Unmittelbar an der armenischen Grenze liegt die Ruinenstadt Ani, geschichtliche Hauptstadt Armeniens. Hier sollen einst 100.000 Menschen gelebt, und mindestens 1.000 Kirchen gestanden haben. Die ehemalige Stadtmauer und die erhaltenen Ruinen sind sehr beeindruckend. Unendliche Schätze warten hier noch auf die Archäologen.

Sonntag, 5. September: Unsere heutige Fahrt führt über Kars, Igdir nach Dogubayazit. Die Landschaft ist genauso abwechselungsreich wie gestern. Stellenweise fahren wir hautnah entlang der türkisch/armenischen Grenze. Wir passieren den Berg Ararat, der leider im Dunst liegt. In Dogubayazit ist das Militär deutlich präsent – wir sind im tiefsten Kurdengebiet angekommen. In der Ortsdurchfahrt ist zusätzlich reichlich Polizei präsent. Kinder werfen mit Steinen nach unseren Mobilen. Kurz unterhalb der Ishak Pasa Sarayi machen wir auf einem Campingplatz Station. Der Platz wird von einem Holländer (Bertil) und einem Kurden betrieben. Es gibt hier zur übermäßigen Freude unserer Frauen eine zeitgemäße Waschmaschine zu chartern.

Montag, 6. September: Heute geht es der Wäsche an den Kragen. Scheinbar weht hier immer ein kräftiger Wind. Dieser macht nicht nur die Hitze erträglich, er trocknet die Wäsche auch schneller, als sie gewaschen werden kann. In Georgien hatte ich mich unglücklich verdreht, was schon wieder gut abgeklungen war. Heute meldet sich die Hexe brutal wieder zurück. Wir essen auf dem Platz ganz hervorragend zum Abend.

Dienstag, 7. September: Die Hexe hat mich noch voll im Griff. Manfred und Inge fahren alleine mit dem Roller hinauf zur Ishak Pasa Sarayi und kommen total begeistert zurück. Zum Nachmittag geht es mir etwas besser und wir fahren mit unseren Platzeigentümern in deren VW-Bulli hinauf zur Besichtigung. Der Palast ist bestens renoviert. Wir sind stark beeindruckt von den Dimensionen, den tollen Steinmetzarbeiten und der phantastischen Aussicht über die Hochebene von Dogubayazit. Unsere Frauen fahren am Abend mit der Frau des kurdischen Eigentümers zusammen in den Hamam. Total erschöpft kehren sie nach 4 Stunden um Mitternacht zurück. Es war ein Erlebnis der besonderen Art.

Mittwoch, 8. September: Die Nacht war kürzer als sonst. Nachdem wir uns vom holländischen Platzbesitzer verabschiedet haben, starten wir. Die Städte sind voller Menschen, so dass wir mit den Mobilen kaum durch kommen. Alle sind im Kaufrausch auf das morgen beginnende Zuckerfest, das die Fastenzeit – den Ramazan – beendet. Dann wird 3 Tage lang geschlemmt, was das Zeug hält. Unsere Tour, teils hautnah entlang der iranischen Grenze, führt uns bis auf eine Passhöhe von 2644 Meter über n. N. Die Mobile haben bei 30 Grad ganz schön zu kämpfen. Gegen 15.00 Uhr machen wir in Adilcevaz am Westufer des Van-See im kleinen Hafen auf einer Betonplatte Station. Wir stehen kaum, als schon die Polizei vorbei kommt. Natürlich können wir hier stehen und übernachten – kein Problem. Der Van-See ist fast 7mal so groß wie der Bodensee. Er verfügt über keinen Abfluss. Das Wasser ist daher extrem sodahaltig und fühlt sich total seidig und seifig an.

Donnerstag, 9. September: Die Straßen haben wir heute fast für uns alleine. Das Zuckerfest ist von der Bedeutung mit unserem Weihnachten vergleichbar. Es ist das größte Familienfest des Jahres. Die Kinder sammeln mit Tragetaschen bewaffnet an allen Haustüren Süßigkeiten. Wir beschließen, das Zuckerfest möglichst auf einem Campingplatz an uns vorbei ziehen zu lassen. Am Ortseingang von Tatvan finden wir einen ausgewiesenen Platz. Es ist zugleich auch Grillplatz für die Einheimischen. Schaun wir mal, was uns in den nächsten Tagen hier erwartet.

Freitag, 10. September: Wir sind heute die Affen im Zoo. Einige Großfamilien haben sich zum Grillvergnügen eingefunden, und für die Kinder sind wir mit unseren Mobilen und Nicky die große Sensation. Manchmal müssen wir sie etwas zurück weisen. Richtig nervend ist jedoch die türkisch/kurdische Musik, die den ganzen Tag über den Platz hallt.

Samstag, 11. September: Der Vortag wiederholt sich in abgeschwächter Form.

Sonntag, 12. September: Der Vormittag verläuft recht ruhig, aber am Nachmittag laufen die Grillsüchtigen zur Hochform auf. Es wird gegrillt auf Teufel komm raus. Zum Abend fahren wir mit den Rollern nach Tatvan hinein und erkunden die Stadt. Nach dem Zuckerfest herrscht reges Treiben auf den Strassen.

Montag, 13. September: Die Morgentemperatur ist heute bis auf 9 Grad abgefallen. Der Van-See liegt auf einer Höhe von ca. 1700 m, was diese Nachttemperaturen nach sich ziehen kann. Heute soll es mit uns bergab gehen. Wie immer geht es durch abwechslungsreiche Landschaften zuerst nach Batman, einer Großstadt von mehr als 300 000 Einwohnern. Hier herrscht reger Verkehr. Dann fahren wir weiter nach Hasankeyf auf einer Höhe von ca. 500 Metern. Die Temperatur liegt auch wieder deutlich über der 30-Gradmarke. Hasankeif liegt am Tigris. In den Bergen des Flusstales befinden sich unzählige Felsenwohnungen aus geschichtlicher Zeit. Dies alles und viele weitere Dörfer sollen in naher Zukunft in einem riesigen Stausee untergehen. Das Land braucht sicher Wasser und Energie. Die Menschen, die hier leben, verlieren aber ihre Heimat und ihren Besitz nach der Zwangsumsiedlung. Die hier lebenden Kurden sind nicht pro türkisch eingestellt.

Dienstag, 14. September: Wieder durchfahren wir fast endlose Baustellen. Dichter Staub der LKW und rasender PKW nehmen uns häufig die Sicht. Die Strecke führt uns über Midyat nach Mardin. Hier fahren wir zum syrisch-orthodoxen Kloster Deyrülzafarm Manasteri. Einem herrschaftlichem Bauwerk 4 km entfernt. Auf dem Parkplatz können wir auch übernachten. Kurz vor Einbruch der Dämmerung kommt auch noch die Jandarma mit 7 bewaffneten Soldaten. Der Truppführer spricht sehr gutes Englisch, so dass wir uns noch eine Zeit unterhalten. Natürlich ist es kein Problem, hier zu übernachten. Sie werden auf unsere Sicherheit achten. In die einbrechende Dunkelheit hinein gibt es eine große Pfanne von Manfreds berühmten Rühreiern. Wir haben von unserem Berg aus eine tolle Sicht über die beleuchteten Dörfer vor der syrischen Grenze vor uns.

Mittwoch, 15. September: Die Nacht verlief sehr ruhig, so dass wir wunderbar geschlafen haben. Um 9.00 Uhr starten wir. Die Marderfolgeschäden lassen uns jedoch nicht los. Der Motor bringt keine Leistung. Wir kommen auch kleine Anhöhen nur im 1. Gang hoch. In Mardin gebe ich auf. Der ADAC-Istanbul lässt einen Abschleppwagen kommen. Der erste Wagen ist zu klein, so dass wir auf einen größeren warten müssen. Gegen 12.00 Uhr ist dieser dann da. Wir werden mit den Vorderrädern aufgebockt und dann geht es ab. Am Rande von Mardin gibt es ein Werkstattgebiet. Von den mindestens 50 Werkstätten macht keine einen überzeugenden Eindruck auf uns. Eine ist schmutziger als die andere. Schließlich landen wir in einem Bosch-Dienst – nicht sehr Vertrauen erweckend. Im Ersatzteilregal liegen nur alte ausgebaute Teile, die keiner mehr braucht. Eine Rücksprache mit der letzten Werkstatt in Trabzon führt schnell zum Ergebnis. Unser „Leo“ marschiert wieder. Trotzdem ist unser Vertrauen in türkische Reparaturkünste etwas getrübt. In Gaziantep ist die nächste vertrauenswürdige Mercedes-Werkstatt, deren Werkstattchef wir bereits vom Vorjahr kennen. Nach einem Telefongespräch mit ihm starten wir. Inge und Manfred begleiten uns auf dem großen Umweg – vielen Dank. Kurz vor Sanli-Urfa machen wir auf einer Großtankstelle mit Restauration Station. Wir essen hier sehr gut. Viel LKW-Fahrer wissen das aber auch. Es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. Die Nacht wird nicht sehr ruhig werden.

Donnerstag, 16. September: Die Nacht ist überraschend ruhig verlaufen, so dass wir gut ausgeschlafen sind. Unsere Freude über die Spurtstärke unseres Mobiles hält sich sehr schnell in Grenzen. Leo läuft zwar besser als gestern früh, bergauf geht es aber trotzdem nur mit begrenztem Schaum. Gegen 11.00 Uhr treffen wir in Gaziantep in der Mercedes-Werkstatt ein. Nach Auslesen des Fehlerprotokolls steht schnell fest, irgendetwas liegt mit dem Turbolader im Argen. Nach längerem Testen ist die Ursache gefunden – ein Steuerventil vor dem Lader hat die Geister aufgegeben. Nach Austausch, überprüfen des besagten Steckers am Drucksensor und einem vorsorglichen Austausch des Luftfilters ist unser Leo wieder der Alte. Inzwischen ist auch der Werkstattchef Adnan Siginc eingetroffen. Die Wiedersehensfreude ist groß. Bei Mercedes-Koluman waren wir wieder bestens aufgehoben incl. Mittagessen in der Kantine und diversen Tee- und türk. Moccapausen. Übernachtung im Industriegebiet nahe des Otogar (Busbahnhof).

Freitag, 17. September: Zu gewohnter Zeit starten wir. Unser heutiges Ziel heißt Nemrut Dagi – der Götterberg. Wir fahren über Berge und riesige Hochebenen. Die Landschaften wechseln zwischen üppigem Grün – Pistazienhainen, Baumwollfeldern und Weinanbau- sowie kargen Berghängen, den Ausläufern des riesigen Atatürk-Stausees und einem seiner Zuflüsse. Hier steht die alte römische Brücke, die fast 1800 Jahre auf dem Buckel hatte, bis sie ein voller Tanklaster zum Einsturz brachte. Heute ist sie original restauriert und eine neue Brücke steht zur „Schonung“ daneben. Die letzten Kilometer hierher sind absolut abenteuerlich – Haarnadelkurven und extremes Gefälle. Auf dem Garden-Camping in Damlacik am Fuße des Nemrut machen wir Station. Mehmet, die gute Seele, bereitet ein hervorragendes Abendessen. Salat und eine Art Gulasch kommen einer Hochzeitsnacht auf der Zunge gleich.

Samstag, 18. September: Um 2.30 Uhr klingelt der Wecker. In einer Stunde geht es mit dem Minibus auf den Nemrut Dagi. Langsam kündigt sich die durchschlagende Wirkung des Abendessens an. Mehmet fährt uns im Minibus in Schwindel erregenden Kurven bergauf zum Nemrut. Nach 1 Stunde Fahrtzeit sind wir auf der Gipfelstation. Hier gibt es eine kurze Pause. Das Abendessen zeigt seine Wucht explosionsartig. Dann steigen wir mit Taschenlampen bewaffnet über Steine und Geröll zum Gipfel, um den Sonnenaufgang zu bewundern. Zig Minibusse haben ihre Fracht ausgespuckt, so dass es eine Massenveranstaltung wird. Es weht ein kalter Wind über den Gipfel. Aber der Sonnenaufgang und heißer Tee lassen alles andere vergessen. Wir genießen den Weitblick aus über 2.000 Meter Höhe und bewundern die steinernen Figuren auf dem Nemrut auf der Ost- und der Westterrasse. Der Abstieg zum Auto ist nicht ganz so mühsam wie es der Aufstieg war. Die Abfahrt zurück zum Camp bietet bei Tageslicht tolle Aussichten. Erst jetzt sehen wir die atemberaubenden Serpentinen und Abhänge.

Sonntag, 19. September: Ruhetag

Montag, 20. September: Mücken im Mobil haben die Nachtruhe empfindlich gestört. Unser heutiges Ziel heißt Göbekli Tepe. Wir verabschieden uns von Mehmet, der uns 3 angenehme Tage auf seinen gepflegten Campingplatz mit Pool und Restaurant bereitet hat. Heute leiden unsere Frauen nach dem gestrigen Abendessen. Mehmet verarbeitet sehr viel Zwiebeln in seiner Küche, die ihre Spuren hinterlassen. Nach ca. 40 km erreichen wir die Fährstation. Der Motor von Manfreds Mobil meldet immer wieder auf den langen Gefällestrecken zu viel Öl. Die Mercedes-Techniker haben in Gaziantep wohl etwas zu viel aufgefüllt. Wir müssen hier auf die andere Uferseite des Atatürk-Stausees übersetzen. Unsere Fahrt führt heute durch viel verdorrtes Land. Wir sind in der heißesten Gegend der Türkei. Das Thermometer erreicht die 38 Gradmarke. Östlich von Sanli-Urfa ist die Abfahrt nach Göbekli Tepe, der ältesten Kultstätte der Menschheit. Sie datiert auf 10 – 11 Tausend Jahre vor unserer Zeitrechnung. Ich spreche kurz mit dem Grabungsleiter, Prof. Dr. Klaus Schmidt. In der Grabungssaison werden hier täglich 8 Stunden, beginnend um 6.00 Uhr, mit einem großen Aufgebot gearbeitet. Was die Menschen vor ca. 12.000 Jahren hier errichtet haben, war bis vor kurzem niemandem vorstellbar. Wir sind beeindruckt. Weiter geht es nach Sanli-Urfa. Nicht schön aber zentrumsnah finden wir auf einem LKW-Parkplatz unsere Stellmöglichkeit für die nächste Nacht. Gaby und ich unternehmen einen kurzen Bummel durch den orientalischsten Basar der Türkei. Zurück am Mobil messen wir innen sowie außen 36 Grad – gute Nacht!

Dienstag, 21. September: Inge hat heute Geburtstag. Gleich nach dem Frühstück gratulieren wir zum heutigen Ehrentag. Danach geht es noch einmal auf den Basar. Inge muss noch wichtige Einkäufe tätigen. Die hohen Temperaturen lassen anschließend nur noch einen schnellen Bummel zu, dann geht es zurück zu den Mobilen. Um 11.00 Uhr sind es bereits 37 Grad – nichts wie weg! Die Ölmeldungen bei Manfred treten wieder auf. Wir beschließen, noch einmal in die Werkstatt in Gaziantep zu fahren. Hier wird ½ Liter Motoröl abgelassen. Wieder übernachten wir im Industriegebiet.

Mittwoch, 22. September: Die letzte Nacht verlief hier nicht so ruhig wie die erste. Ab jetzt sind Ferien angesagt – es geht hinab ans Mittelmeer. In Ayas, wenige Kilometer hinter dem Ende der Autobahn, finden wir einen kleinen kommunalen Campingplatz direkt am Wasser. Wir sind die einzigen Gäste, denn die Saison ist gelaufen. Die ersten Geschäfte und Restaurants in den Küstenorten schließen bereits. Die Temperaturen liegen aber immer noch deutlich über 30 Grad, selbst die Wassertemperatur dürfte nur ganz knapp darunter liegen. Die Nachttemperaturen liegen zwischen 24 und 26 Grad. Wir bleiben hier bis zum Sonntag, 26. September.

Montag, 27. September: Unser heutiger Trip führt uns nach Tasucu. 3 km westlich von T. liegt der Campingplatz, den wir bereits vom Vorjahr kennen, malerisch in einer Bucht. Hier kommt Karibik-Feeling auf. In Silifke haben wir für nötige Einkäufe eine Zwischenstation eingelegt. Voll bepackt sind wir zu den Mobilen zurückgekommen. Wir haben heute unser erstes „Beinchen“, eine Lammkeule für unsere Tajine gekauft. Die Fleischpreise haben sich in der Türkei im Laufe eines Jahres verdoppelt. Davon hatte uns schon Bertil berichtet. Die nächsten Tage verbringen wir faul mit Lesen, Baden und kurzen Rollerfahrten zum Einkaufen nach Tasucu oder Silifke.

Freitag, 1. Oktober: Inge hat anlässlich meines Geburttages eine Torte kreiert, die wir uns am Nachmittag schmecken lassen. Abends essen wir sehr lecker im Restaurant des Campingplatzes.

Samstag, 2. Oktober: Wir verabschieden uns von unseren türkischen Nachbarn, den Betreibern des Campingplatzes und von Sabine und Udo aus Reutlingen, die wir hier kennen gelernt haben. Die Baustellen entlang der Küstenstrassen gehen gnädig mit uns um – sie sind nicht so zahlreich und kürzer als sonst üblich. Die alte Küstenstrasse ist Genuss, wegen der tollen Landschaft, und Stress, wegen der vielen Kurven und Steigungen bzw. Gefälleabschnitte, zugleich. Natürlich regnet es auf diesem Abschnitt auch wieder, so dass die Strassen wieder sehr schmierig sind. In Gazipasa machen wir am Hafen auf einer Betonplatte Station. Der alte Grillplatz ist total modernisiert und leider nicht mehr für uns nutzbar. Wir nehmen mit Dieter und Connie, die wir letztes Jahr hier getroffen haben, Kontakt auf.

Sonntag, 3. Oktober: Ruhetag

Montag, 4. Oktober: In deutscher Pünktlichkeit holt uns Dieter um 12.00 Uhr zum Brunch bei ihnen zu hause ab. Connie und Dieter leben seit 3 Jahren hier. Wir sind erstaunt über ihr Grundstück und Haus. Hier sind Träume wahr geworden. Die beiden haben sich hier ein wahres Paradies geschaffen. Wir verbringen mit den Beiden einen netten Tag auf ihrer Terrasse mit einem tollen Blick auf das Meer. Nach einem phantastischen Sonnenuntergang kehren wir zu unseren Mobilen zurück.

Mittwoch, 6. Oktober: Nach einem ruhigen Dienstag starten wir heute. Wetter gut – Strassen gut. In Antalya parken wir auf dem Parkplatz am Stadion. Hier könnte man auch übernachten. Nachdem wir in einem der vielen Lokantas gegessen haben, besuchen wir Monika und Mehmet in der Altstadt in ihrem Teppich-Geschäft. Nach Cay und langem Plausch verabschieden wir uns. Weiter geht die Fahrt nach Camyuva in unsere alte Bucht, in der wir so gerne stehen. Wir trauen unseren Augen nicht. Die Bucht ist total vermüllt – hier wollen wir nicht bleiben. Jetzt heißt es schnell weiter, denn in einer knappen Stunde ist es total dunkel, wir haben Neumond. Mit dem letzten Abendlicht erreichen wir Cirali und finden einen Platz für die Nacht. Reinhard und Erika, die wir letztes Jahr hier kennen gelernt haben, stehen auch schon seit ein paar Tagen hier. Es wird eine freudige Begrüßung.

Hier lassen wir einige Tage die Seele baumeln. Ein sauberer Kiesstrand und klares Wasser verlocken zum Baden. Eine Rollertour ins benachbarte Tal zu einer Forellenzuchtstation füllt unsere Pfannen. Im Verlauf der Tage treffen noch Gitti und Klaus, Freunde von Reinhard und Erika ein. Weiterhin treffen noch Monika und Peter vom IARMC ein. Mit Peter hatte ich schon vor 2 Jahren Kontakt, wo er mir hilfreiche Tipps für unsere Syrien/Jordanien-Tour geben konnte.

Donnerstag, 14. Oktober: Für heute ist Regen angesagt, und Regentage sind Reisetage. Daher verabschieden wir uns von Inge und Manfred, die erst im Dezember zuhause seien wollen und noch hier bleiben. Es war mal wieder eine tolle und erlebnisreiche Zeit mit den beiden. Unser Ziel ist Kas. Die Küstenstrasse mit ihren tollen Aussichten auf See und Land begeistert uns immer wieder. In Kas sind beide Häfen gesperrt, so dass wir keine Stellmöglichkeit finden. Also fahren wir kurz entschlossen weiter nach Fethiye. Das Wetter trübt sich erst jetzt ein und hier regnet es nun endlich auch. Westlich vom Stadtgebiet finden wir in einer Siedlung einen ausgewiesenen Parkplatz. Nur eine Ferienhaus- und Hotelreihe trennt uns 15 Meter von der Promenade mit vielen Restaurants und Geschäften. Trotzdem stehen wir hier sehr ruhig.

Freitag, 15. Oktober: Schon um 7.30 Uhr starten wir. Unser heutiges Ziel ist Yenifoca nördlich von Izmir. Die Straßen sind gut und trocken bis wir zum Anstieg nach Mugla kommen. Hier setzt für einige Zeit kräftiger Regen ein. Mühsam schrauben wir uns die Serpentinen mit Steigungen von 10 % hoch. Die Temperaturen fallen auf 15 Grad bedingt durch die Höhe von ca. 600 Metern und dem Regen. Schon vor Izmir kommt aber die Sonne wieder heraus und es wird trocken. In Yenifoca stehen wir wieder auf unserem alten Platz am Hafen vor dem Friedhof. Auf den Strassen liegt Schlamm, der vom vergangenen Regen von den Bergen gespült wurde.

Samstag, 16. Oktober: Morgenstund hat Gold im Mund. Als Frühaufsteher drehen wir schon vor 8.00 Uhr den Zündschlüssel. Bis auf eine üble Baustelle kommen wir gut voran. Große Streckenabschnitte ähneln noch immer einem Waschbrett, obwohl die Straßendecke nicht beschädigt ist. Da wir so gut vorankommen, überspringen wir den geplanten Zwischenstopp in Ören. Die Fähre über die Dardanellen wartet in Lapseki auf uns, so dass wir ohne Wartezeit übersetzen können. Wenn es einmal so gut läuft, dann soll man auch nicht stehen bleiben. Wir fahren noch nach Griechenland ein. Die Grenzabfertigung geht zügig, und diesmal sind alle Stempel in den Pässen gleich beim ersten Mal vorhanden. Kurz hinter Makri machen wir am Strand Übernachtungsstation.

Sonntag, 17. Oktober: Frühaufsteher sind nicht zu bremsen. Kurz nach acht fahren wir wieder. Die Autobahn ist jetzt lückenlos bis Igoumenitsa durchgängig. Unterwegs verlassen wir zu einer Pause die Autobahn. An einer unübersichtlichen Stelle muss ich in einer kräftigen Steigung halten. Beim Anfahren rutscht die Kupplung – auch das noch. So werden wir die steile Rampe auf der Fähre nicht schaffen. Das heißt, morgen früh geht es erst in die Werkstatt. Gegen 20.30 Uhr wird unser Mobil heftig durchgerüttelt. Es ist ein kleines Erdbeben, wie wir morgen erfahren sollen. Die ganze Mittelmeerregion ist Erdbebengebiet, wo solch leichtere Stöße häufiger vorkommen.

Montag, 18. Oktober: Um 9.00 Uhr öffnet die hiesige LKW-Werkstatt. Bis man dann anfängt, vergeht in südlicher Manier noch eine halbe Stunde. Doch dann geht es los! Das Getriebe ist schnell ausgebaut und die Kupplung freigelegt. Selbige ist verschlissen und muss ausgetauscht werden. Mercedes verbaut bei einem Sprintermotor immer die gleiche Kupplung unabhängig vom Gesamtgewicht des Fahrzeuges. Wir haben mit 6 Tonnen das höchste Sprintergewicht und damit auch die kürzeste Lebensdauer der Kupplung. Toll gelöst! Ein Rückruf in unserer deutschen Werkstatt bestätigt: das ist ganz normal! Das Ersatzteil ist um 14.30 Uhr da und wird sofort eingebaut. Bis dahin ist alles gut. Doch dann beginnen die Probleme beim Entlüften. Ein schlechtes Ergebnis wird uns als normal verkauft. Nach wenigen km lässt sich der Wagen nicht mehr schalten. Im 2. Gang geht es zurück zur Werkstatt. Erneutes Entlüften bringt Erfolg. Wir fahren zum Hafen und holen unsere Tickets ab. Auf dem Parkplatz vor dem Hafengelände spielen schwarzhäutige Asylanten und Polizei Katz und Maus. Die Asylanten versuchen immer wieder, sich an – auf – unter Fahrzeugen zu verstecken, um auf die Fähren als blinde Passagiere zu kommen.

Dienstag, 19. Oktober: Nachts werden wir häufig von extremen Windböen geschüttelt und sintflutartige Regenfälle prasseln auf das Mobil. Als wir auf das Hafengelände fahren wollen, tauchen die gleichen Kupplungsprobleme wie gestern auf. Das Getriebe lässt sich kaum oder gar nicht schalten. Im 1. Gang fahren wir auf die Fähre. Mal sehen wie es in Italien weiter geht. Hier in Igoumenitsa haben weitere Versuche auch keinen Sinn. Wir legen pünktlich ab. Vormittags haben wir recht heftigen Seegang, der mittags deutlich abflaut. Die Fahrt verläuft dann ruhig.

Mittwoch, 20. Oktober: Die neueren Fähren von Minoan fahren so ruhig, dass wir ohne Vibrationen oder Dröhnen gut geschlafen haben. Der Himmel ist bedeckt als wir in Venedig einfahren. Wir stehen fröstelnd an Deck und genießen den tollen Anblick, den Venedig uns immer wieder bietet. Unser Sohn Marc hat uns inzwischen die Anschrift der nächsten Mercedes-Werkstatt per SMS geschickt, die wir direkt anfahren wollen. Nach 12 km im 2. Gang erreichen wir diese, die aber nur für PKW ist. Nach weiteren 11 km kommen wir dann in die LKW-Werkstatt. Hier wird uns dann nach der 2stündigen Mittagspause geholfen. Wir erreichen dann gegen 21 Uhr noch den Stellplatz auf dem Brenner.

Donnerstag, 21. Oktober: Auf der Fahrt über die Alpen sehen wir auch den ersten Schnee, der bereits bis in die Täler und bis an die Straßenränder reicht. Die Fahrt durch Österreich ist schnell hinter uns, so dass wir gegen Mittag wieder in Deutschland sind. Wir verbringen noch ein paar Tage in Süddeutschland und besuchen meine Mutter.

Dienstag, 26. Oktober: Am späten Nachmittag treffen wir wieder zu hause ein. Eine etwas strapaziöse Fahrt mit hohen Temperaturen und endlosen Baustellen, aber auch mit vielen neuen Eindrücken von Land und Menschen der Osttürkei und Georgiens ist zu Ende gegangen.