Reisebericht zum Baikalsee

 

Туристическое сообщение к озеру Байкал

 

13. Juni 2013 – 12. September 2014

Teil I

 

Einer hat's gemerkt - nein, wir nehmen keine Winterausrüstung mit - wir kommen schon im September 2013 zurück!

Der Baikalsee hat gerufen - diesen Sommer kommen wir!

Ein Auszug aus Wikipedia:

Der Baikalsee, dessen Wasseroberfläche (31.492 km²) sich in 455,5 m Höhe über dem Meeresspiegel befindet, ist mit 25 Millionen Jahren der älteste und mit 1.642 m der tiefste See der Erde. Der See besitzt eine Uferlänge von rund 2.125 km, ist vom Südwesten zum Nordosten 673 km lang (Mittellinie des Baikals) und maximal 82 km breit. Seine durchschnittliche Breite beträgt 48 km.

 

 

 

Pfingstsonntag, 19. Mai: Der "Count Down" läuft!

Aber vorher kurz zur Vorgeschichte. Peter und Monika, Mobilfreunde aus Glinde, besuchten uns vor Weihnachten. Sie hatten auf unserer Homepage den Russlandbericht 2012 gelesen. Sie wollen 2013 an den Baikalsee fahren und wollen wissen, was wir für Erfahrungen mit Russland gesammelt haben. Nach dem Austausch von dem, was die Beiden inzwischen an Informationen und Berichten gesammelt hatten und unseren Erfahrungen, war für uns klar, wenn die Beiden uns mit nehmen, dann sind wir dabei.

Im Februar haben wir uns dann noch einmal in Portugal in Manta Rota und Anfang Mai in der Heide zu letzten Abstimmungen getroffen.

Es fahren Peter und Monika, die Organisatoren, mit den Freunden Veronika und Michel und wir mit unseren Freunden Hermi und Manfred.

Inzwischen laufen die Visa-Anträge, die Fahrzeuge sind noch einmal gründlich durchgesehen und alles ist kontrolliert, die Navis sind aktualisiert, Routen geplant, Packlisten für die Ausrüstung überarbeitet und ergänzt, internationale Führerscheine und KFZ-Scheine besorgt, Langzeit-Krankenversicherungen und KFZ-Versicherungen für Russland abgeschlossen bzw. ergänzt und langsam werden auch die ersten Sachen bereit gestellt.

 

So soll in groben Zügen unsere Route verlaufen:

Die Routen sind auf google-maps geplant.

 

Donnerstag, 13. Juni: Endlich – endlich haben die langen Planungen und Vorbereitungen ein Ende. Alle Formalitäten wie Krankenversicherungen, Visa, KFZ-Versicherung, internationale Führerscheine und Zulassung, Kartenmaterial und Reiseführer sowie Abstimmung mit den anderen Mitreisenden, insbesondere mit Peter und Monika, und - und - und sind erledigt. Das Mobil ist noch einmal in der Werkstatt durchgesehen und hat neu TÜV bekommen. Diesel- und Gastank sind auch aufgefüllt. Das Mobil ist gepackt mit Allem, was man so braucht und auch nicht braucht.

Endlich drehen wir den Zündschlüssel – die Reise beginnt. Wir treffen uns um 16.00 Uhr mit Hermi und Manfred auf einem Rastplatz an der Autobahn zwischen Braunschweig und dem Wolfsburger Kreuz und dann geht es los. Aller Anfang ist mühsam. Und so brauchen wir für die ersten 90 km volle zwei Stunden, bedingt durch zwei Baustellen auf der A 2. Als wir östlich von Magdeburg die Elbe überqueren, sehen wir das Ausmaß der katastrophalen Überschwemmungen. Der Fluss ist weit über seine Ufer getreten und gleicht eher einem Meer denn einem Fluss. Gegen 20.00 Uhr erreichen wir unser Ziel in Lietzen kurz vor der Grenz nach Polen. Hier soll laut Internet ein Stellplatz am Sportplatz sein. Das weiß jedoch nur das Internet – im Ort weiß es niemand. Auf dem Fußballplatz endet gerade eine Trainingsrunde. Wir können hier übernachten und stehen genau an der Spielfeldecke. Nach einem kurzen Absacker geht es in die Mobile. Die Nacht ist herrlich ruhig.

 

Freitag, 14. Juni: Gegen 4.30 Uhr werden wir durch Regen geweckt. Nachdem ich die Fenster geschlossen habe, schlafen wir noch etwas weiter. Das Reisefieber lässt uns aber früh aufstehen, so dass wir kurz nach 8.00 Uhr starten. Inzwischen hat der Regen aufgehört. Es sind nur wenige Kilometer bis zur Grenze nach Polen. Gleich hinter der Grenze bei Küstrin kaufen wir beim Lidl unsere Getränke pfandfrei für die nächste Zeit ein. Dann geht es durch üppig grüne Landschaft mit vielen Dörfern. Ortseingangs- und Ortsausgangsschilder wechseln sich manchmal mit wenigen Metern Abstand ab. Bald in jedem Dorf steht ein Starenkasten. Natürlich halten hier alle die Geschwindigkeitsbegrenzung ein. Dafür wird auf freier Strecke der Ausgleich beim Überholen gesucht. Zweimal gibt es brenzlige Situationen für uns.

Etwas mühsam ist die Durchfahrt durch Bromberg. Um 16.15 Uhr treffen wir auf dem verabredeten Platz an der Weichsel in Graudenz ein. Wir stehen direkt unter der Zitadelle mit Blick auf diese und auch auf die Weichsel, die sehr viel Wasser führt. Gegen 17.00 Uhr treffen auch Monika und Peter sowie Veronika und Michel ein. Freudig begrüßen wir uns alle. An Michels Wagen bringen wir noch den Baikalaufkleber an. Anschließend statten wir dem Ort einen kleinen Besuch ab. Nach dem Abendessen kommen wir uns noch zwischen den Mobilen bei einem Gläschen und Plausch etwas näher. Dann treiben uns die Mücken in die Mobile.

 

Samstag, 15. Juni: Kurz nach 8.00 Uhr setzen wir unsere Fahrt fort. Bei herrlichem Wetter mit noch angenehmen Temperaturen geht es weiter gen Osten. Die Polen sind für ihren wagemutigen Fahrstil bekannt. So haben wir auch zweimal brenzlige Situationen gehabt. Die Straßen sind teils gut, teils weniger gut und kurvig. In der Nähe von Ryn wollen wir in einem Kaffee einkehren, das Monika kennt. Der erste Versuch führt uns in eine verkehrte Einfahrt. Und hier passiert es. Beim Zurücksetzen stößt Peter mit seinem Wagen mit Michels Wagen zusammen. Auf dem schönen Gelände von Heinz und Ioanna werden wir um 15.00 Uhr schon erwartet. Wolli und Ilona weisen uns ein. Wir stehen auf der gleichen Stelle wie im Vorjahr. Alle sind ausgehungert und so nehmen wir erst einmal Kaffee und Kuchen zu uns. Frisch gestärkt geht Peter dann an die Reparatur von Michels Wagen. Wir erkennen sofort die Hand des Fachmanns. Peter ist KFZ-Meister. Kühlergrill und Scheinwerfer raus, dann werden die abgebrochenen Plastikhalter der Scheinwerfer durch Lochband verstärkt und angebracht. Nachdem der Kleber ausgehärtet ist, wird alles wieder eingebaut. Die Konstruktion ist jetzt jedenfalls solider als Mercedes das von Haus aus baut. Und zu sehen ist nichts mehr außer der kleinen Beule auf der Kühlerhaube. Jetzt genießen wir diesen schönen Platz. Nach einem Spaziergang zum nahen See beschließen wir den Abend vor den Mobilen bei einem Lagerfeuer bis die Mücken zu „bissig“ werden.

 

Sonntag, 16. Juni: Nachdem alle gut geschlafen und gefrühstückt haben, bringen wir Hermi unser Geburtstagsständchen. Anschließend stoßen wir mit einem Glas Sekt auf ihr Wohl an. Um 10.00 Uhr bringen uns Joanna und Heinz die vorbestellten Forellen, die wir gleich in die Beize einlegen. Die gibt es heute Abend frisch geräuchert und noch heiß auf den Teller. Aber vorher genießen wir den Sonnenschein. Am frühen Nachmittag finden wir uns zusammen, um drei Geburtstagstorten, Eierlikörtorte – Mohntorte – Kirschtorte, nieder zu kämpfen. Das Mittagessen haben wir zwar ausfallen lassen, aber trotzdem sind wir an den Torten gescheitert. Veronika und Micha haben an ihre schlanke Linie gedacht und mit strammen Märschen gegen an gekämpft. Zum Abendessen kommen dann die frisch geräucherten Forellen auf die Teller. Dazu haben unsere Frauen Pellkartoffeln und knackfrische Salate zubereitet. Es war ein Schlemmertag zu Hermis Geburtstag – vielen Dank.

 

Montag, 17. Juni: Nach einer ruhigen Nacht geht es nach der Verabschiedung von Ioanna, Heinz, Ilona und Wolli wieder auf die Straße. Zügig geht es auf guten Straßen voran. Die Temperaturen bewegen sich im 20° Bereich, so dass es ein angenehmes Fahren ist. Zeitweise drückt Seitenwind gegen unsere Fahrzeuge. Unsere erste Station ist das Wasserschloß von Trakai. Wir stehen auf dem gleichen Parkplatz wie im Vorjahr und gehen über die lange Holzbrücke zum Schloß hinüber. Anschließend setzen wir unsere Fahrt auf den Stell-/Campingplatz nach Vilnius fort.

Dienstag, 18. Juni: Es geht weiter. Am Geologischen Mittelpunkt nördlich von Vilnius legen wir einen Zwischenstopp ein. Hier soll der Mittelpunkt Europas sein? Es ist nur schwer zu glauben. Fürs Erste wollen wir einmal den Geologen glauben. Dann geht es durch grüne Landschaften zum Grenzübergang von Lettland nach Russland bei dem Ort Zilupes. Im vergangenen Jahr standen die PKW zwischen den LKW in der Schlange und wir stellten uns ebenfalls so in die Reihe. Ein freundlicher LKW-Fahrer zeigt uns, wir sollen ruhig nach vorne fahren. Das spart uns Stunden von Wartezeit. Es funktioniert! Um 16.00 Uhr stehen wir vorn an der Grenze zur Abfertigung. Die Lettländer sind bei der Ausreise sehr genau. Es wird sogar die Fahrgestellnummer unserer Fahrzeuge kontrolliert – wo ist die eingeschlagen! Erst in der Bedienungsanleitung finden wir das. Die Einreiseformalitäten in Russland verlaufen unterschiedlich von problemlos bis zäh oder sogar kritisch. Wir selbst haben Glück – problemlos. Bei Monika und Peter – zäh. Bei Hermi und Manfred – zu viel alkoholische Getränke – problematisch. Bei Veronika und Michel wurde gründlich gesucht und auch zu viel alkoholische Getränke – Einreise erst verweigert, dann endlich nach vielen Beschimpfungen großzügig geduldet. Nach 2 ½ Stunden haben wir alles überstanden. Erleichtert tanken wir alle an der ersten Tankstelle und fahren dann einen bewachten Parkplatz für die kommende Nacht an.

Mittwoch, 19. Juni: Weiterfahrt nach Moskau.

Die ersten 100 km der Transitstrecke nach Moskau sind völlig neu in Top-Zustand. Aber dann! Teilweise guter Zustand – aber auch ca. 200 km elender bis krimineller bzw. saumäßiger Zustand sind zu bewältigen. Die Leidensfähigkeit unserer Fahrzeuge und von uns wird auf eine harte Probe gestellt. Wir haben es überstanden. Hoffentlich gibt es an den Fahrzeugen keine Schäden, die sich erst später herausstellen. 150 km vor Moskau fahren wir einen bewachten Parkplatz für die kommende Nacht an. Unterwegs haben wir frische Pfifferlinge am Straßenrand gekauft, die unseren Abendbrottisch lecker bereichern. An der Bambusbar beschließen wir den Abend beim Absacker. Zu den 19.00 Uhr Nachrichten deutscher Zeit ziehen wir uns in die Mobile zurück. Hier ist es zur Ortszeit bereits 21.00 Uhr.

 

Donnerstag, 20. Juni: Die Zeitverschiebung hat uns alle wohl etwas mitgenommen. Daher haben wir auch alle gut und fest geschlafen trotz der an- und abfahrenden LKW auf dem TIR-Parkplatz. Gegen 9.00 Uhr starten wir gen Moskau. Wir haben offensichtlich ein gutes Zeitfenster im Moskauer Verkehrschaos gefunden. Wir kommen gut voran und haben nur wenig Stau bis zu unserem Stellplatz im Sokolniki-Stadion, das wir vom letzten Jahr schon kennen. Wir stehen wieder auf der Eisbahn, die im Winter geflutet wird und gefriert. Monika spendiert für alle zum Mittagessen Hot Dogs stilgerecht mit allen Zutaten – lecker. Anschließend gehen wir zur Metro und starten zur ersten Besichtigungstour. Zuerst suchen wir auf der Metrostation Ploschad Rewoluzii die Bronzestatuen der Oktober-Revolution. Auf dieser Station kreuzen 3 Metrostationen in 3 Etagen. Nach einigem Fragen erreichen wir die richtige Ebene. Unter 40 Gewölbebögen stehen die großen Bronzestatuen. Anschließend geht es vor das Bolschoi-Theater, die Duma und zum Roten Platz. Natürlich statten wir auch dem Kaufhaus GUM einen Besuch ab. (Mehr Text und Fotos sind im Bericht des Vorjahres zu finden.) Zurück auf unserem Stellplatz erwartet uns Hermi mit einer leckeren Kirschtorte – vielen Dank. Am Abend kommt Alessia von SanPietroburgo und bringt uns die vorbestellten SIM-Karten für unsere Handys. Natürlich kassiert sie auch die Gebühr für den Stellplatz. Von ihr erfahren wir, dass wir uns nur dann in Russland irgendwo anmelden müssen, wenn wir länger als 7 Tage dort bleiben. Sie vergewissert uns, dass auch die Grenzbehörden bei der Ausreise davon wissen – hoffentlich. Das erspart uns einige Zeit, da die Anmeldung mehrere Tage in Anspruch nehmen würde.

 

Freitag, 21. Juni: Schon um 6.00 Uhr ist die Nacht vorbei. Mit lautem Getöse fährt ein Traktor über den Platz und spritzt mit Wasser alles sauber. Um 10.00 Uhr starten wir wieder zur Stadtbesichtigung. Zuerst besuchen wir einige der sehenswertesten Metro-Stationen. Der Sozialismus hat hier seine volle Pracht entfaltet. Dann geht es in die Arbatstraße, Moskaus erste Einkaufs- und Fußgängerstraße. Wir finden das Lokal vom Vorjahr und essen wieder leckere Blinis. Monika und Peter und Veronika und Michel waren noch nicht in Moskau bzw. zuletzt vor langer Zeit. Sie sind unermüdlich und wollen noch den Kreml und einiges anderes erkunden. Manfred und ich machen uns fußkrank zurück auf den Weg zu den Mobilen.

Samstag, 22. Juni:Bereits um 8.00 Uhr starten wir, um dem frühmorgendlichem Verkehr zu umgehen. So dachten wir. In der Stadt selbst kommen wir gut voran. Aber die Ausfallstraße ist hoffnungslos verstopft. Ganz Moskau scheint zum Wochenende die Stadt zu verlassen. Einige Unfälle verstopfen die Straßen zusätzlich. Nach 2 Stunden und gut 70 km erreichen wir Sergiev Posad. Das hiesige Kloster hat in der russisch orthodoxen Kirche die gleiche Bedeutung wie der Vatikan in der katholischen Kirche. Leider sind viele Gebäude eingerüstet und der Zugang zu den Kathedralen ist teilweise wegen Renovierungsarbeiten gesperrt. (Siehe auch Bericht und Fotos im Bericht von 2012 Baltikum.) Nach kurzer Mittagspause geht es dann auf teilweise katastrophalen Straßen nach Suzdal. Wir stehen wieder auf dem Platz des Vorjahres. Hier wollen wir auch wieder übernachten. Ich habe seit Tagen einen geschwollen Knöchel und bleibe im Mobil zurück. Die anderen starten zur Besichtigung.

 

Sonntag, 23. Juni: Morgenstund hat Gold im Mund und darum starten wir sonntags um 8.30 Uhr nach Wladimir. Die Straßen sind um diese Zeit noch frei, und wir kommen gut voran. Direkt vor der großen Kathedrale finden wir einen Parkplatz. Zuvor haben wir schon das Goldene Tor umrundet. Dieses ist das letzte verbliebene Stadttor. Die große Kathedrale mit ihren fünf goldenen Kuppeln war im Vorjahr geschlossen. Heute wird gerade ein Gottesdienst abgehalten. Die Gläubigen stehen dicht bei dicht während der Andacht. Stühle oder Bänke gibt es in orthodoxen Kirchen nicht. Nachdem wir dann auch der kleineren Kathedrale mit den vielen prunkvollen Steinmetzarbeiten an der Fassade 200 m entfernt einen Besuch abgestattet haben,  geht es weiter – immer gen Osten. Das Wetter ist gut und am Nachmittag überschreiten wir die 30° Gradmarke. Weite Straßen – weites Land. Die Straßen sind gesäumt von endlosen Mischwaldwäldern. Dominierend sind die Birken und Nadelbäume. Auch hier hat der saure Regen teilweise seine Spuren hinterlassen. Immer wieder kommen wir aber auch durch kleine Ortschaften. Mittags machen wir in einer Raststätte Station und essen russisch. Wir haben uns für Lakman entschieden. Ein Gulascheintopf mit Nudeln sehr pikant abgeschmeckt. Die Freunde haben teilweise Fisch gegessen. Dazu gab es Quarkballen frittiert und Kaffee. Das Ganze für ca. 3,50 €. Auf der Gegenspur gibt es endlose Staus. Die Russen kommen vom Wochenende auf ihrer Datscha zurück in die Stadt. Um 18.20 Uhr fahren wir eine Tank- und Raststelle an. Hier macht Tanken Freude. Der Liter Diesel kostet 28,5 Rubel bei einem Wechselkurs von 1 € zu 43,3 Rubel bedeutet das ca. -,66 €.

Wir haben unterwegs am Straßenrand Pfifferlinge gekauft, die wir jetzt zubereiten – eine Hochzeitsnacht auf der Zunge. Zubereitung vor dem Mobil auf der Feldküche – dann fluchtartig ins Mobil zum genussreichen Abendbrot, denn aufziehendes Gewitter setzt mit einem Platzregen ein.

 

Montag, 24. Juni: Um 6.00 Uhr haben wir schon 19° Grad, klaren Himmel und Sonnenschein. Heute wird es sicher sehr warm werden. Wir starten früh nach Kazan. Hier herrscht hohes Polizeiaufkommen. Die Universiade vom 6. – 14. Juli steht bevor. Offensichtlich wird alles geprobt. Es herrscht das geordnete Chaos. Heute sollen viele Teilnehmer dieser Spiele eintreffen. In der ganzen Stadt wird geputzt und Grünanlagen werden gepflegt. Das Chaos streckt sich auch auf unsere Parkplatzsuche aus. Nach mehr als zweistündiger Suche geben wir entnervt auf und bleiben auf einem Platz, der ab 23.00 Uhr gesperrt sein soll. Mit Taxen fahren wir zum Kreml, der über der Stadt thront. Auch hier ist alles vom Feinsten zurecht gemacht. Am meisten beeindruckt uns die Moschee mitten im Kreml. Innen wie außen sieht sie aus wie aus tausend und einer Nacht. Die Temperaturen haben längst die 30 Gradmarke überschritten. So kehren wir erschöpft zu den Mobilen zurück. Wir verlassen die Stadt, um wieder auf einem LKW-Parkplatz an der Hauptstraße nach Osten zu suchen. Hier übernachten wir dann.

 

Dienstag, 25. Juni: Die Nacht verlief sehr ruhig und wir haben gut geschlafen. 8.15 Uhr – wir drehen die Schlüssel – es geht los gen Osten. Wir fahren über Naberezhnyye Chelny und Izhevsk bis ca. 130 vor Perm. Hier ist wieder ein Rastplatz für LKW. Je weiter wir gen Osten kommen, desto dünner wird das Netz an Tankstellen und Raststätten. Auf unserem heutigen Weg kommen wir durch tolle Landschaften aus Wiesen, Feldern und Wäldern. Inzwischen stehen in den Wäldern fast nur noch Birken. Die Anzahl der Orte hat zugenommen. Es sind Straßendörfer. Alle Häuser stehen an der Straße ohne jegliche Querstraßen. Hier gibt es fast ausschließlich Holzhäuser – zum großen Teil Blockhäuser. Die Häuser sind für unsere Verhältnisse recht klein. Vermutlich steht hinter den Häusern das Plumpsklo.

 

Mittwoch, 26. Juni: Die Nacht war kurz. Wir befinden uns seit gestern wieder in einer neuen Zeitzone und sind nun 4 Stunden vor unserer heimischen Zeit. Allein gestern sind wir 2 Zeitzonen weiter gekommen. Obwohl wir eine Stunde später als bisher ins Bett gegangen sind, war es zur Ortszeit eine Stunde früher – sehr verwirrend. Aufgestanden sind wir normal zur Ortszeit, das heißt 2 Stunden früher als sonst. Unsere Fahrt führt uns heute zur Eishöhle von Kungur. Von gut 30° Grad Wärme geht es  in -2° Grad Kälte, jedoch endet die Eishöhle nach maximal 50 Metern und war dann eine normale Höhle mit einem großen Rundgang. Für unser Empfinden war das meiste leider eher kitschig ausgeleuchtet. Zum Ende sahen wir noch eine Lightshow im Comicstil. Beim Verlassen der Höhle ereilt uns wieder der nächste Temperaturschock zurück in die Wärme. Hier zieht gerade ein Gewitter auf. Obwohl wir hier übernachten wollten, beschließen wir, weiter zu dem kleinen Ort Jalyn in 125 km zu fahren. Hier finden wir einen schönen Platz am See. Später kommen noch einige Ortsbewohner zu uns. Dank Veronika, die alles übersetzt, kommt eine lebhafte Unterhaltung auf. Ein herrlicher Sonnenuntergang über dem See lässt uns den Abend beenden.

 

Donnerstag, 27. Juni: Nach einer wunderbar stillen Nacht und tiefem entspannenden Schlaf starten wir bereits um 8.00 Uhr. Wir haben eine Tagesetappe von 525 km vor uns. Die Fahrt verläuft auf überwiegend guten Straßen. Einige Kilometer sind natürlich wieder mit reichlichen und tiefen Schlaglöchern gespickt. Auch einige Baustellen bleiben uns nicht erspart. Nahe Tyumen laufen wir einen Campingplatz am See an. Hier stehen einige wenige Wohnwagen und viele Zelte. In Russland scheinen schon Ferien zu sein, denn es sind viele Familien mit Kindern hier. Wie die zurechtkommen, ist uns allerdings ein Rätzel. Der Platz hat den See und eine Thermalquelle sowie einige Häuschen mit Herz. Wasser gibt es hier keines und an Duschen oder eine Waschmaschine ist nicht zu denken. Für eine Nacht soll es aber für uns reichen. Nach einem Abendessen und kleinem Plausch vertreiben uns viele kleine Fliegen und Mücken in die Mobile.

 

Freitag, 28. Juni: Die Nacht war sehr unruhig. Fast die ganze Zeit liefen ungedämpfte Unterhaltungen in der Nachbarschaft. Außerdem kann uns dieser „Luxus“-Campingplatz nicht überzeugen. Wir fahren 200 km weiter. Hier soll ein Hotel sein, wo Mitfahrer möglichst ihre Wäsche waschen lassen wollen. Unterwegs wollen wir an einer Tankstelle Wasser aufnehmen. An der ersten ist es nicht möglich, an der zweiten sei das Wasser schlecht. Hier empfiehlt man uns in das nächste Dorf zu fahren. Am dortigen Brunnen soll es gutes Wasser geben. Im Dorf gibt es kein fließend Wasser in den Häusern. Die Bewohner bedienen sich alle am Brunnen. Dank der dort vorhandenen elektrischen Pumpe geht es zwar langsam aber stetig voran. Um 14.00 Uhr erreichen wir ca. 170 km östlich von Tyumen den Parkplatz mit Hotel und Tankstelle. Auch lässt sich hier Wäsche waschen.

 

Samstag, 29. Juni: Eine grausame Nacht liegt hinter uns. Hier gibt es reichlich Mücken und die hatten sich auf uns eingeschossen. Trotz Fliegengaze vor den Fenstern sind Mücken ins Mobil gekommen und haben Attacken gegen uns geflogen. Einige haben wir erlegt, andere haben am Morgen wohl aufgetankt und genährt an der Wand voller Hohn auf ihre Vernichtung gewartet. Wir wollen heute einen großen Ritt gen Osten bis Omsk fahren. Wir kommen trotz vieler Kilometer Stoßdämpfer-Teststrecke gut voran. Gegen Mittag kommen wir wieder in eine neue Zeitzone. Nun sind wir schon 5 Stunden voraus – 2 Zeitzonen warten noch bis zum Baikalsee auf uns. Kurz vor Omsk entscheiden wir, noch einmal fast 100 km bis zu einem Park- und Rastplatz an der 51 weiter zu fahren. Hier treffen wir um 18.00 Uhr ein, nachdem wir 564 km gefahren sind. Der Platz ist gut und das Essen im Restaurant auch. Bisher haben wir auf den Raststätten immer gut und preiswert gegessen.

 

Sonntag, 30. Juni: Durch scheinbar endlos weites Land geht es heute nach Novosibirsk. Weite Flächen, nur teilweise landwirtschaftlich genutzt und mit Birkenwäldchen durchbrochen, durchschneidet die Straße. Der Straßenzustand ist heute überwiegend gut. Nur wenige Dörfer sind entlang der Strecke. In Novosibirsk (Neues Sibirien) pulst das Leben. Wir machen nach 550 km Station am Russisch-Deutschen Haus. Hier können wir auf dem Gelände zu großstädtischen Preisen übernachten. An diesem Wochenende wird hier das 120 jährige Stadtjubiläum gefeiert Die Straßen und Plätze sind voller Menschen. Wir gehen vorbei an der riesigen Oper über den zentralen Platz mit Lenindenkmal zum Bahnhof. Hier passiert die Transsibirische Eisenbahn – aber wann? Diese Auskunft zu bekommen, ist sehr schwierig. Die “Offiziellen“ reagieren mürrisch abweisend und arrogant im alten kommunistischen Stil. Ob sich das jemals ändert? Freundliche Bahnreisende versuchen zu helfen. Offensichtlich kommt heute keine Transsib. Auf dem Rückweg machen wir in einem kleinen georgischen Restaurant Station. Wir essen Schaschlik oder Hatschapuri, aus Brotteig gebacken mit unterschiedlichen Füllungen.

 

Montag, 1. Juli: Eine herrlich ruhige Nacht mit langem Ausschlafen ohne Zeitverschiebung liegt hinter uns. Wir sind richtig gut ausgeschlafen. Monika, Peter, Veronika und Michel brechen noch einmal in die Stadt auf. Wir verbleiben mit Hermi und Manfred auf dem Gelände des Deutschen Hauses. Die Frauen halten Putz- und Flickstunde ab. Nachdem Manfred das Mobil gewaschen hat, fange ich auch noch damit an. Die Stadtgänger kommen gegen Mittag zurück. Zusammen besichtigen wir noch das kleine Museum des Deutschen Hauses mit einer Ausstellung der frühen deutschen Siedler. Um 16.00 Uhr drehen wir dann die Zündschlüssel. Für umgerechnet 25 € wollen wir hier nicht noch einmal übernachten. Auf den folgenden Kilometern hat sich die Landschaft etwas gewandelt - kaum noch Wiesen, dafür mehr Wälder. Neben Birken gibt es auch wieder Nadelbäume. Das Gelände ist auch nicht mehr so eben sondern etwas hügelig. Ca. 190 km weiter östlich machen wir in dem Dorf Poperetschnoe an der Fernstraße 53 Station für die Nacht. Wir stehen gegenüber des dörflichen Supermarktes. Das heißt hier Magazin. Hier gibt es alles, was die Dorfbewohner an Lebensmitteln und sonst noch gebrauchen können. Nicht weit weg befindet sich auch noch der Bäcker. Hier haben Monika und Peter eingekauft und für alle Gebäck mitgebracht. Anschließend besuchen uns noch einige Dorfbesucher. Veronika leistet wieder wertvolle Übersetzungen zur Verständigung. Hab vielen Dank.

 

Dienstag, 2. Juli: Bis kurz nach 1.00 Uhr spielt die Dorfjugend furchterregende Hammermusik in voller Lautstärke auf dem Dorfplatz nicht weit von unseren Mobilen. Dann fasst sich Peter ein Herz. Nach einem kurzen freundschaftlich netten Gespräch verstummt die Musik und die Jugend verlässt den Platz. Danke Peter! Morgens kaufen wir alle noch beim Dorfbäcker frisches Brot und Brötchen. Nachdem wir dann auch noch frisches Wasser aus dem Brunnen aufgenommen haben, machen wir uns wieder auf den Weg. Ursprünglich wollen wir nur bis Mariinsk fahren, doch wir sind so gut in der Zeit, dass es weiter gehen soll bis Bogotol. Mariinsk ist ein größerer Ort mit vielen alten schönen Häusern. Sollten die einmal alle renoviert werden, dann könnte es ein weiteres Weltkulturerbe hier geben. Es geht weiter auf der M 53. Der Straßenverkehr lässt immer weiter nach. Die Landschaft wird noch hügeliger und waldreicher. Unser Rastplatz Bogotol ist eine fast fertige Baustelle. So fahren wir noch weiter ostwärts. Ca. 30 km weiter finden wir abseits der Straße in dem größeren Dorf Kritovo einen Platz für die Übernachtung.

 

Mittwoch, 3. Juli: Gaby hat seit Wochen Zahnprobleme. Der heimische Zahnarzt und auch der Zahnchirurg waren mit ihrem Latein am Ende. Das wird schon noch! Die Schmerzen lassen aber nicht nach. Letzte Nacht wurde es noch schlimmer. Heute früh haben wir für Irkutsk über Marina, eine Kontaktadresse, einen Termin vereinbart. Jetzt geht es schnellst möglich dorthin. Die Straßen sind heute nicht immer so gut wie sonst. Teilweise fahren wir wohl durch das Zielgebiet der russischen Artillerie. Zum Abend fahren wir wieder in eine neue Zeitzone. Jetzt sind wir bereits 7 Stunden vor der heimischen Zeit. Ich schreibe jetzt um 22.25 Uhr Ortszeit – in Deutschland ist es gerade 15.25 Uhr. Es ist auch wieder wärmer geworden, wir haben jetzt noch 20°. Auch heute übernachten wir in einem großen Dorf Tajschetskij Rajon an der M 53. Nach 558 km sind wir bei den heutigen Straßen geschafft.

 

Donnerstag, 4. Juli: Gar so ruhig, wie man meinen sollte, war die Nacht in einem Dorf doch nicht. Da Ferienzeit ist, waren die Kinder bis 23.30 Uhr um unsere Mobile herum am Spielen. Das geht nicht leise. Michel sprach dann ein Machtwort. Weit nach Mitternacht unterhielten sich zwei Dorfschöne mit ihrem Mopedrocker. Sie sprachen zwar leise, hatten aber bis 3.30 Uhr Ausdauer. Wir stehen um 6.30 Uhr Ortszeit auf. In Deutschland ist es jetzt 23.30 Uhr und man geht ins Bett. Als wir um 8.30 Uhr starten, sind wir alle nicht ausgeschlafen, zumal wir wieder eine Stunde Zeitumstellung verkraften müssen. Die heutige Tour entwickelt sich zur Tortur. Die Straßen sind zum großen Teil schlecht und mit Schlaglöchern reichlich bestückt. 15 km Waschbrettpiste ohne Asphalt aber mit viel Staub bremsen uns aus. Chaotische Russen rasen wir verrückt mit undurchsichtigen Staubfahnen und einem Schotterregen hinter sich her durch die Baustelle. An der ersten Raststätte machen wir Mittagspause. Peter stellt hier einen „Platten“ am rechten inneren Hinterrad fest. Dank Zwillingsbereifung ist nicht mehr passiert. Der hier ansässige Reifendienst behebt den Schaden. Kurz vor 19.00 Uhr machen wir an einem Rastplatz nach 509 Station für die kommende Nacht. Wir sind jetzt ca. 180 km vor Irkutsk und damit kurz vor dem Baikalsee

 

Freitag, 5. Juli: Eine Nacht ohne Zeitverschiebung bzw. –umstellung ist eine gute Nacht. Wir finden wieder in unseren Rhythmus. Nach dem Frühstücken und Auftanken geht es weiter. Tanken ist in Russland immer eine komplizierte Angelegenheit. Nach Tankanzeige und gefahrenen Kilometern schätzen wir unseren Dieselbedarf in Litern. Während ich den Tankrüssel in den Tankstutzen hänge,  geht Gaby an die Kasse zum Bezahlen. Erst nach dem Bezahlen, meist mit Kreditkarte oder aber bar, wird die Zapfsäule frei gegeben. Das alles dauert halbe Ewigkeiten. Die Straßen heute haben auch schon bessere Zeiten gesehen. Für die 185 km bis Irkutsk brauchen wir 3 ½ Stunden. Bevor wir ins Zentrum kommen, überqueren wir noch die Angara, den großen Fluss vom Baikalsee. Im Hotel Angara treffen wir Marina, uns deutschsprachige Kontaktfrau. Marina ist eine freundliche und aktive Frau, die ein hervorragendes Deutsch spricht. Sie hat für heute Nachmittag einen Termin beim Zahnarzt für Gaby reserviert. Wir fahren dann unseren Übernachtungsplatz bei einer Sportanlage hinter einem Medical- und Sportcenter an einem Nebenarm der Angara an. Gaby fährt mit Marina und Hermi, die in ihrem Berufsleben bei einem Zahnarztbedarf viele Praxen eingerichtet hat, zum Zahnarzt. Das sind zwei Ärzte. Deren einhellige Meinung nach Untersuchung und Begutachten der Röntgenaufnahmen von zu Hause heißt: die Füllung eines Zahnes drückt auf den Nerv desselben – Füllung rausbohren, Wurzel töten, Behelfsfüllung, Rest morgen. Nachdem der Schmerz schwindet, hoffen wir alle auf den Erfolg.

 

Samstag, 6. Juli: In den Morgenstunden fängt es an zu regnen. Der Zahnarzt kommt heute extra für Gaby in seine Praxis. Nach schmerzloser Nacht wird heute das Provisorium wieder entfernt und der Zahn mit einer richtigen Füllung verschlossen. Das soll jetzt die nächsten zehn Jahre halten. In Regenkleidung und mit Schirm versehen treffen wir um 11.00 Uhr am Stadion alle zusammen. Wir gehen mir Marina auf Stadtbesichtigung. Entlang der Angara gehen wir bis zur Erlöserkirche und dem Ewigen Feuer zur Erinnerung an die Gefallenen des 2. Weltkrieges. Trotz des Regens finden wir hier ein Brautpaar mit den feiernden Gästen vor. Wir gratulieren mit einem Lied, und man reicht uns einen kleinen Snack und Aperitif. Vorbei am Moskauer Tor geht es wieder in die Innenstadt. Gaby steigt hier in ein Taxi und fährt zurück zum Mobil. Unsere Nicky schwächelt heute in ihrem stolzen Alter von 15 Jahren. Das lässt Gaby keine Ruhe. Wir anderen gehen alle in einem Lokal essen. Es schmeckt alles sehr gut, und so zieht es sich hin. Weiter führt unser Weg durch die Fußgängerzone zur Markthalle. Wir sind über das riesige Warenangebot überrascht. Nach einigen Einkäufen geht es fußkrank zurück zu den Mobilen.

Sonntag, 7. Juli: Unser heutiges Ziel ist Listvyanka. Hier sind wir dann das erste Mal direkt am Baikalsee. Gaby bleibt bei Nicky im Mobil. Marina führt uns erst ins Ethnographische Museum. Hier besichtigen wir die Häuser bzw. Unterkünfte der verschiedenen Volksgruppen und Epochen. Weiter geht es auf einen Berg bei Listvyanke mit der Seilbahn hinauf. Von hier haben wir eine tolle Aussicht Auf den Baikalsee und die abfließende Angara. Im Baikalmuseum sehen wir die endemischen Baikalrobben. Die als einzige Robbenart nur im Süßwasser lebt. Die beiden armen Tiere sind in einem viel zu kleinen Becken eingepfercht. Um 16.00 Uhr treffen wir bei Tatjana und Sergej ein. Hier nehmen wir bei einer russischen Familie ein russisches Essen ein. Unser Nachtquartier nehmen wir am Ufer des Baikalsee/Angara ein.

Der Zustand unserer geliebten Nicky hat sich soweit verschlechtert, dass sie um 20.00 Uhr Ortszeit uns für immer verlässt und ihre letzte große Reise antritt. Ihre Ruhestätte findet sie am Ufer des Baikalsees. Unsere treue Begleiterin auf vielen Reisen und durch viele Länder war fast 15 Jahre immer an unserer Seite. Sie hinterlässt eine große Leere in uns.

Montag, 8. Juli: Am Vormittag fahren wir wieder nach Irkutsk. Marina hat für uns einen Werkstatttermin organisiert. Da es hier keinen Iveco-Service gibt, müssen wir mit Fiat vorlieb nehmen. Bei Peter gibt es einen geringen Kühlwasserverlust. Das kann hier nicht behoben werden. Bei uns haben sich, wie schon einmal vor fast zwei Jahren, die Muttern am Auspuffkrümmer des letzten Zylinders gelöst und abvibriert. Da Russen selten Feinmechaniker sind, hat der Monteur beim Anziehen der neuen Muttern den einen Stehbolzen abgebrochen. Jetzt müsste der Bolzen ausgebohrt und erneuert werden. Das ist sehr aufwendig, weil dafür vieles demontiert werden muss. Außerdem fehlen Teile. Wir wollen diese Arbeit auf dem Rückweg in Krasnojarsk bei Iveco erledigen lassen. In Richtung Angarsk finden wir entlang der Angara einen Stellplatz.

Dienstag, 9. Juli: Bis 15.00 Uhr haben wir nach den vielen Fahrtagen erst einmal relaxt. Dann sind wir wieder in die Stadt zurück gefahren auf unseren bisherigen Stellplatz. Wir haben bei 30°Grad im Schatten uns auf den Weg zur Markthalle gemacht, um etwas einzukaufen. Anschließend hat Gaby noch einmal den Zahnarzt besucht. Sie hat von der erfolgreichen Behandlung berichtet, und wir haben ein Foto gemacht. Hermi und Monika haben zum gemeinsamen Abendessen eingeladen. Hermi machte einen leckeren Thunfischsalat und Monika beendete das Mal mit einem Dessert von Roter Grütze und Vanillesauce. Vielen Dank an Beide.

Mittwoch, 10. Juli: Um 5.30 Uhr sollte der Wecker klingeln –wir waren aber 10 Minuten eher wach. Die alte pflichtbewusste Kaufmannsseele funktioniert immer noch. Früh haben wir uns mit Marina getroffen und sind mit dem Bus zum Bahnhof von Irkutsk gefahren. Weiter geht es mit der Bahn nach Slyudyanka an den Baikalsee durch herrliche inländische Landschaften. Dann fahren wir entlang des Sees auf der historischen Route der Transsibirischen Eisenbahn nach Listvyanka. Die Route führt durch viele Tunnel, über viele Brücken, entlang vieler Galerien und kleiner Stationen auf abenteuerlichen Gleisen mit losen Gleisnägeln. In Deutschland dürfte hier nicht einmal eine Draisine fahren. Darum geht es auch nur langsam im Bummelbahntempo voran. So können wir immer wieder die tolle Sicht auf den Baikalsee genießen. Ab Mittag jedoch steigt bei dem warmen Sommertag aus dem kalten Wasser langsam Dunst auf, so dass der Horizont nur noch schemenhaft sichtbar ist. Der Zug macht viele Zwischenstationen zur Besichtigung bzw. zum späteren Mittagessen. Am Angaraufer angekommen, setzen wir mit der Fähre von Port Baikal nach Listvyanka über und dann geht es per Kleinbus zurück nach Irkutsk zu unseren Mobilen. Nach einem kurzen Absacker geht es fußkrank ins Bett.

Donnerstag, 11. Juli: Wir verlassen heute Irkutsk und fahren über Kultuk, kurz vor Slyudyanka, durch bergiges Gelände in einer tollen Landschaft. Weiter geht es durch das herrliche Tunkatal. Nach unserem Empfinden ist es bisher landschaftlich der schönste Teil der Reise. Die Landschaft ist abwechslungsreich von Wiesen und Weiden durch Wälder vor einer herrlichen Bergkulisse. In Arshan, dem sibirischen Davos laut unserem Reiseführer, machen wir einen Rundgang. Laute Musik schalt durch den Ort. Die Straßen sind wie in allen Städten mit Schlaglöchern reich gesegnet. Die „Geschäftswelt“ ist trist. Souvenirbuden gibt es reichlich. Davos sieht ganz anders aus. Wir besuchen einen buddhistischen Tempel, in dem ein Mönch seinen monotonen Singsang vor ein paar Gläubigen abhält. Einen mongolischen Tee bzw. Kaffee trinken wir in einer mongolischen Jurte. Unsere Nachtstation finden wir an dem Fluss Irkut, der erst seinen langen Weg durch das Inland suchen muss, bevor er in Irkutsk in die Angara mündet.

Der Ort Arshan ist nicht einmal auf Google Maps vorhanden. Er befindet sich ca. 30 km nördlich des Punktes C.

Freitag, 12. Juli: In den Morgenstunden geht ein kräftiger Regenschauer nieder. Eigentlich wollten wir heute hier einen Tag ausspannen, entschließen aber wegen des Wetters, nach Ulan Ude weiter zu fahren. Doch unser Mobil macht Probleme. Schon gestern ging während der Fahrt einige Male der Motor aus. Das verstärkt sich heute noch weiter. Wir haben keinen Mut, noch weiter in den Osten zu fahren. In Kultuk trennen wir uns. Monika und Peter und Veronika und Michel fahren alleine weiter. Hermi und Manfred begleiten uns auf dem mühsamen Weg zurück nach Irkutsk. Marina meldet uns bei Fiat an. Dort findet das gleiche Spiel wie vor einer Woche statt. Anzugträger mit Krawatte bewundern unseren Motor und stellen nach längerer Beratung fest, dass sie uns nicht helfen können oder wollen. Marina gibt uns dann eine neue Anschrift einer Werkstatt auf einem Hof mit vielen anderen Werkstätten: Irkutsk, Ulitsa Rabotschevo Schtaba Nr. 31 a, www.kvivcov-sergei@mail.ru – Tel. +79086619729. Sergei spricht sogar englisch. Er hat an der technischen Universität studiert. Hier erkennt man sofort, dass es an den Einspritzdüsen liegen muss. Richtig – die zweite von hinten funktioniert nicht richtig. Eine Ersatzdüse ist nicht vorhanden, aber der Chef kann sie reparieren. Nach einer Stunde Präzisionsarbeit wird sie wieder eingebaut und der Motor läuft tadellos! Und jetzt kommt’s – wir durften nichts bezahlen! Natürlich haben wir uns anders erkenntlich gezeigt.

Samstag, 13. Juli: Heute früh habe ich endlich wieder Zugang zum Internet und kann Post bearbeiten und die Homepage weiter führen. Um 9.00 Uhr starten wir Richtung Olchon. Nachdem wir noch ein paar Einkäufe getätigt haben, geht es los. Die Straßen sind außer 10 km Piste erstaunlich gut. Die Landschaft ist sehr hügelig und wir kommen bis auf 970 Meter üNN. Unser Leo läuft nach der gestrigen Reparatur der Einspritzdüse wieder super. Auf dem Weg sehen wir große Rinderherden, die hier völlig frei grasen. Zäune gibt es keine. So passiert es denn auch, dass die Rinder gemütlich die Straßen queren. Im Ort zur Fähre zur Insel Olchon finden wir direkt am Strand einen Platz. Hier machen wir Station. Zum Abendessen bereiten wir eine Tajine, die uns allen sehr mundet. Ab 21.00 Uhr fahren die Ortsansässigen mit ihren Fahrzeugen und Trailern auf. Sie haben alte Aluboote mit Außenbordern, mit denen sie zum Fischfang auf den See fahren. Bei den Profis geht es innerhalb weniger Minuten. Sie stoßen rückwärts mit ihren Fahrzeugen ins Wasser und fahren sofort mit den Booten von den Hängern. Die Anderen benötigen etwas länger.

Sonntag, 14. Juli: Die Nacht verläuft nicht so ganz ruhig. Irgendwann kommen die Fischer zurück, verladen die Boote und fahren davon. Ab 5.00 Uhr kommt die nächste Schicht – die Frühschicht. Wir lassen den Sonntag ruhig angehen. Wir bummeln durch den kleinen Ort, kaufen in dem erstaunlich gut sortierten „Magazin“ ein und genießen den Tag. Bei einem weiteren Spaziergang sehen wir die vielen neu entstehenden Urlaubsquartiere für Jugendgruppen und Privatreisende. Das früher so einsame Gebiet um den Baikalsee entwickelt sich rasant.

Montag, 15. Juli: Letzten Abend kamen nur drei Fischer. Dafür kam als Frühschicht um 5.13 Uhr  einer mit ohrenbetäubender Dschungelmusik vorgefahren und riss uns aus dem Schlaf. Nach 10 Minuten fuhr er wieder ab. Aber die Nachtruhe war gelaufen. Nach dem Frühstück und letzten Einkauf fahren wir zum „Kleinen Meer“. Das ist der Bereich zwischen dem Westufer des Baikalsees und der Insel Olchon, die alleine schon 70 km lang ist. Hier müssen wir mehr als 20 km Piste zurücklegen – sehr staubig und „rumpelig“. Die Fahrzeuge müssen vieles erleiden, dafür bekommen die Insassen mal wieder eine „Russische Massage“. Wir finden einen wunderschönen Platz direkt am Baikalsee mit einer tollen Aussicht. Viele russische Zelte verteilen sich hier entlang des Ufers. Heute Abend entzünden wir unser erstes Lagerfeuer. Da der Wind ständig dreht, wird es für uns auf unseren Stühlen ein Tanz um das Feuer. Der Wind dreht sich nicht nur, er ist auch sehr kalt, so dass wir früh in die Mobile steigen. Es ist jetzt 22.15 Uhr und noch taghell. Um 23.30 Uhr wird es dunkel werden und morgen früh um 5.00 Uhr ist es bereits wieder taghell. Die Nächte und der Sommer sind hier kurz.

Bei Google-Maps sind die Wege und Pisten entlang der Westküste des Baikalsees nicht eingetragen - unsere Strecke führt entlang der Küstenlinie.

Dienstag, 16. Juli: Nach tiefem Schlaf in ruhiger Nacht können wir den Tag entspannt angehen. Doch was heißt entspannt. Hermi und Gaby setzen ihren am Vortag begonnen Waschtag fort. Da wir direkt am See stehen, herrscht kein Mangel an Wasser – www heißt hier waschwütige Weiber und hat mit dem Internet so gar nichts zu tun. Manfred und ich unterziehen unsere Mobile einer gründlichen Wäsche. Es haben sich einige Krusten angesammelt und wir müssen Platz für neuen Dreck schaffen. Zum Mittagessen hat Hermi leckeren Kartoffelsalat bereitet und Manfred Würstchen erhitzt. Danke! Hier am Baikal wechseln Wind und Wetter rasch. Heute Nachmittag jedoch wird der Wind immer stärker, so dass es kein Lagerfeuer zum Abend dafür aber noch kalten Regen gibt. Anschließend sehen wir einen riesigen Regenbogen über der Insel Olchon und noch einen schönen Sonnenuntergang vor wolkigem Abendhimmel.

Mittwoch, 17. Juli: Der Wind hat sich gelegt und es ist angenehm warm. Gaby backt nach dem Frühstück einen Kuchen, denn es kommen die anderen vier zurück von Ulan Ude und Michel hatte gestern Geburtstag. Währenddessen gehen Manfred und ich zur Spitze der Landzunge, die in das kleine Meer ragt, Hermi folgt auch noch. Wir bekommen Besuch von einem burjatischen älteren Paar. Die Verständigung ist schwierig, aber wir gehen alle freundlich auseinander. Gegen 14.00 Uhr treffen die anderen ein. Gut geschüttelt von der 26 km langen Rüttelpiste. Nach Begrüßung und Gratulation des Geburtstagskindes folgen die Berichte von beiden Seiten. Nach dem anschließenden Kaffeetrinken und Kuchenvertilgung werden auch die beiden anderen Fahrzeuge der Pflege mit reichlich Wasser unterzogen. Heute Abend ist es sehr schön mild und auch der Wind hält sich zurück. Wir beenden den Tag beim Klönschnack am Lagerfeuer.

Donnerstag, 18. Juli: Monika und Veronika geben sich heute früh ganz der Wäsche hin. Peter wäscht  die zweite Hälfte seines Mobiles. Zum Mittagessen suchen wir eine der Ferienanlagen auf. Hier hat uns gleich am ersten Tag der Betreiber der Restauration seine Leistungen angepriesen. Die Anlage ist ganz toll in Holz gestaltet. Die Bestellung des Essens mit acht Personen gestaltet sich wie immer etwas schwierig – irgendwann haben sich alle entschieden und der Auftrag landet in der Küche. Das Essen mundet allen sehr gut. Die beiden alten Burjaten treffen heute mit ihrem Enkel wieder bei uns ein. Dank Veronika entsteht eine angeregte Unterhaltung. Einige Geschenke werden ausgetauscht und Fotos gemacht. Am Nachmittag überrascht uns Veronika mit leckerem Kaiserschmarren und Topfenküchlein frisch aus der Pfanne. Haben wir geschwelgt. Vielen Dank. Den Abend verbringen wir am Lagerfeuer bei den Mobilen bzw. gehen einige noch etwas spazieren.

Freitag, 19. Juli: Schon um 6.00 Uhr scheint die Sonne ins Mobil. Doch leider hält das nicht lange an. Es bezieht sich früh und später folgt eiskalter Wind. Trotzdem bereitet Gaby einen Pickert für das Mittagessen vor. Pickert ist eine Spezialität aus dem Lipperland aus Hefeteig mit wenig Kartoffeln unter Zugabe von Rosinen. Damit der Teig heute besser geht, erhöht Gaby den Hefeanteil. Das zeigt Wirkung. Wegen des starken Windes stelle ich heute den Brenner mit der Paellapfanne in die Garage und brate dort. Es mundet allen vorzüglich. Doch vor dem zweiten Bratdurchgang fordert Petrus eine Verdauungspause ein, die wir unter Regenschirmen am Tisch verbringen. Kalter Wind und Regen lassen uns einen längeren Mittagsschlaf in den Mobilen einnehmen. Zum Abendessen bereitet Monika eine leckere türkische Suppe aus roten Linsen, verfeinert mit Smetana, dem russischen Sauerrahm. Anschließend gibt es von Hermi noch einmal ihren tollen Thunfischsalat. Ein wahrhaft kulinarischer Tag. Kalter Wind und Regen treibt uns anschließend wieder in die Mobile. Hier beschließen wir den Tag.

Samstag, 20. Juli: Heute Morgen haben wir nur 13° Grad. Es kommt jedoch schnell die Sonne heraus und die Temperatur steigt. Leider macht sich dann auch wieder etwas Wind auf. Nach dem Frühstück unternehmen wir einen großen Spaziergang um die nördliche Landzunge. Die Wege sind wegen der vielen Steine beschwerlich. Dafür entschädigt uns die
Landschaft mit vielen tollen Panoramen über den See und die Berge. Jetzt am
Wochenende sind viele Russen hier mit ihren Zelten am See. Daher war die letzte
Nacht auch recht unruhig. Mittags gehen wir zu viert wieder essen. Wir haben uns vorweg gebratenen Omul, ein endemischer Fisch des Baikalsees, bestellt. Der Fisch hat nicht ganz die Größe eines Herings, schmeckt aber sehr lecker. Den Nachmittag verbringen wir
möglichst im Windschatten im Liegestuhl. Den letzten Abend am kleinen Meer
sitzen wir um das Lagerfeuer, bis uns der kalte Wind in die Mobile vertreibt.
Morgen wollen wir dann nach 26 km Rüttelpiste zum Fährhafen fahren und auf die
Insel Olchon übersetzen. Olchon ist die größte Insel des Baikalsees mit einer
Länge von 70 km. Sie ist nur sehr dünn besiedelt mit weniger als 2000
Bewohnern. Hier ist das Schamanentum sehr fest verbreitet. Schaun wir mal.

Sonntag, 21. Juli: Um 8.00 Uhr fahren wir zu der Ferienanlage, in der wir die beiden letzten Male gegessen haben, um hier Frischwasser vom Hahn zu tanken. Das ist hier ungewöhnlich – man nimmt das Wasser aus dem See. Schließlich ist der Baikalsee das größte
Süßwasservorkommen der Welt in absoluter Trinkwasserqualität. Doch leider
schwimmen am Ufer immer Algen und auch Pollen mit, die wir nicht im Wassertank
haben wollen und aus dem Schlauch kommt es auch nicht. Nach getaner Arbeit geht
es auf die Rüttelpiste zum Fähranleger zur Insel Olchon. Nach 28 km erreichen
wir wieder Asphalt. Dann geht es schnell nach Sakhyurta. Hier kaufen wir noch
Lebensmittel für die nächsten Tage ein und stellen uns dann an der Fähre an. Nach
einstündiger Wartezeit kommen wir noch auf das Fährschiff. Manfred und Hermi
müssen auf die nächste warten. Obwohl es Roll-On Roll-Off-Fähren sind, müssen
alle Fahrzeuge vorwärts auf- und rückwärts abfahren. Auf Olchon angekommen,
müssen wir lange auf die anderen warten. Der Fahrplan der Fähren sieht wohl
eine lange Mittagspause vor, obwohl große Schlangen von Fahrzeugen auf die
Überfahrt warten. Dann kommen Hermi und Manfred und Monika und Peter auch.
Veronika und Michel kommen noch deutlich später. Um auf die Insel zu fahren,
werden alle Fahrzeuge und deren Insassen erfasst und müssen eine
Eintrittsgebühr für das Naturschutzgebiet berappen. Hermi, Manfred und wir
fahren schon einmal voraus um einen Platz für die Mobile zu finden. In einer
schönen Bucht, wo schon einige Zelte stehen, finden wir diesen dann auch. Doch
davor müssen wir erst einmal 18 km üble Rüttel- und Waschbrettpiste zurücklegen.
Zwei Stunden später kommen dann auch die anderen. Gaby wagt es, in den kalten
Baikalsee zu steigen. Nach ein paar Schwimmzügen kommt sie jedoch schnell
wieder sehr erfrischt heraus. Bei einem Glas Merlot beschließen wir den Abend
vor den Mobilen.

Montag, 22. Juli: Nachdem auch die Kinder der Nachbarn auf die Luftmatratze mussten, war es herrlich ruhig, und wir haben wie die Murmeltiere geschlafen. Bis 5.00 Uhr Ortszeit (in
Deutschland 22.00 Uhr) jedenfalls – dann klingelt unser deutsches Handy. Bis ich
wach und am Telefon bin, schweigt es jedoch wieder. Schon früh am Morgen
scheint die Sonne aus allen Knopflöchern und es ist windstill. Gleich nach dem
Frühstück schnappt sich Gaby ihre Walkingstöcke und marschiert los. Manfred und
ich folgen eine halbe Stunde später. Auch die anderen haben weite Wanderungen
unternommen. Der Weg führt uns entlang der Steilküste des Baikalsees. Wieder
bieten sich uns wundervolle Aussichten über den See und die Insel Olchon. Die
Weite Sibiriens und die wahnsinnigen Panoramen faszinieren uns immer wieder.
Ich kann gut verstehen, dass Leute vom „Baikalvirus“ infiziert werden und immer
wieder kommen. Leider ist die An- und Abfahrt mit jeweils rund 9.500 km zu
weit. Wir genießen heute die Sonne und entspannen am See. Manfred steigt heute
als erster in den kalten See. Gaby und ich folgen etwas später. Natürlich
beweisen auch die anderen ihren Mut und steigen ins kalte Wasser. Die
Wassertemperatur am Rand dieser flachen Bucht soll bei 16° Grad liegen. Weiter
drin ist es deutlich weniger. Unsere Aufenthaltsdauer hält sich daher in engen
Grenzen. Heute Abend wollen wir uns um 22.00 Uhr zum Lagerfeuer wieder draußen
treffen. Bisher haben wir das früher gemacht, weil immer ein kalter Wind
aufkam. Natürlich ist ein Feuer bei Dunkelheit viel schöner – wir müssen uns
anders mit geistigen Getränken erwärmen. Der Wind hat sich gelegt, und ein
lauer Abend hat sich eingestellt. Bereits eine halbe Stunde früher sitzen wir
um die Feuerstelle und zünden auch bald das Lagerfeuer an. Monika kredenzt
allen eine „Baikalbowle“ (Orangensaft mit Vanilleeis und einem Schuss Wodka).
So sitzen wir bis kurz vor Mitternacht gemütlich zusammen.

Dienstag, 23. Juli: Gestern haben wir noch einen weisen Beschluss gefasst: wir verlängern an dieser schönen Bucht bei diesem tollen Wetter um einen Tag. Auch heute ist wieder Sonnenschein pur angesagt. Allerdings ist auch wieder der Wind da. In der Sonne ist es fast
zu warm, aber im Schatten ist es frisch. Die Morgenspaziergänge fallen
unterschiedlich intensiv aus. Danach machen wir einfach nur Urlaub am
Baikalsee. Zum Abend bereitet Gaby für Hermi, Manfred und uns in der
sibirischen Steppe auf der Insel Olchon im Baikalsee eine spanische Paella.
Rund um satt und zufrieden beenden wir den Abend natürlich wieder am Lagerfeuer.

Mittwoch, 24. Juli: Regentropfen wecken uns am Morgen. Das erleichtert den Abschied aus dieser schönen Bucht. Als weiterer Vorteil kommen wir heute auf der unbefestigten
Rüttelpiste staubfrei voran. Um 10.00 Uhr erreichen wir Chuschir, die
Hauptstadt der Insel. Wobei Stadt übertrieben ist. Es handelt sich um ein Dorf.
Die Hauptstraße könnte aus einem Westernfilm stammen und die Nebenstraßen sind
noch schlimmer. Die Häuser sind überwiegend alt und von mannshohen
Bretterzäunen umgeben. Nahe des Schamanenfelsens können wir mit den Mobilen
stehen. Unser erster Weg führt natürlich zu dem Felsen, der Wahrzeichen und
Symbol von Olchon ist. Hier stehen auch viele Schamanenpfähle mit den bunten
Tüchern. In einem Burjatischen Restaurant essen wir zu Mittag: Fischsuppe,
Salat, gebratener Omul mit Kartoffelpüree und anschließend noch warmen
Aprikosenkuchen. Das alles war sehr lecker, auch wenn wir von Plastiktellern
mit Plastiklöffel und –Gabel essen mussten. Messer gab es erst gar nicht. Das
Heimatmuseum von Olchon ist mit viel Liebe und Fleiß zusammengestellt worden.
In der Ferienanlage von Nikita, die im Inneren sehr hübsch gemacht ist, gehen
die anderen ins Internet. Mein Rechner versteht sich leider mit dem Router
überhaupt nicht.

Donnerstag, 25. Juli: Gestern Abend haben Veronika und Michel ihr neugeborenes Enkelkind Juli pinkeln lassen. Alles Gute für die Kleine und Dank an die Großeltern. Dabei konnten wir einen sagenhaften Sonnenuntergang erleben. Heute regnet es bereits seit Stunden. Wir wollen  eine Fahrt an die Nordspitze der Insel unternehmen. Da das mit unseren Fahrzeugen nicht geht, haben wir uns für eine von Nikita organisierte Tour angemeldet. Auf lehmigen Boden schlittern wir dorthin. Start soll um 10.00 Uhr sein. Die Abfahrt verzögert sich wegen des Regens und inzwischen auch wegen des Nebels. Das Wetter bessert sich nicht, und so wird die Tour abgesagt. Wir melden uns sogleich für morgen an, da soll das Wetter besser sein. Mittags geht es wieder ins burjatische Restaurant. Am Nachmittag lässt der Regen nach, so dass wir noch einen Spaziergang unternehmen können. Der Hafen von Chuschir sieht sehr erbärmlich aus. Von hier sollen noch ein paar Fischerboote fahren. Der ehemals größte Arbeitgeber des Ortes war die Fischfabrik, die total verfällt.

Freitag, 26. Juli: Heute früh scheint die Sonne und nun soll es auf die Fahrt zur Inselspitze gehen. Doch vor dem Frühstück bricht bei Hermi und Manfred die Wasserleitung im Wagen. 1 – 2 Eimer Wasser ergießen sich, bevor die Pumpe ausgeschaltet ist. Mit Peters Hilfe ist der Schaden jedoch schnell repariert. Gut dass wir noch nicht zur Tour gestartet waren. Die Pumpe hätte den Tank leer gepumpt und den ganzen Wagen geflutet. Dann setzen wir die Mobile noch um auf einen ruhigeren Platz mit einer tollen Aussicht über den Ort und das kleine Meer sowie Blick über die Bucht mit dem Schamanenfelsen. Kurz nach 10.00 Uhr startet auch unsere Tour. Nicola, ein junger Franzose, ist unser Guide. Er spricht unter anderem auch deutsch und kann uns so vieles erklären. Wir steigen zum ersten Mal in so einen russischen Kleinbus UAZ. Wir sollen erfahren, dass dieser Wagen extrem geländegängig und robust ist. Wir überfliegen Waschbrettpisten und quälen uns durch tiefe Kuhlen und Schlammlöcher. Nicola und sein Wagen vollbringen wahre Meisterleistungen. Alle unsere Erwartungen und auch das, was uns zuvor über die nördliche Hälfte der Insel erzählt wurde, werden von den Panoramen über den Baikal und die Insel bei Weitem übertroffen. Hier können nur die Fotos sprechen. Nicola bereitet uns in einer wunderschönen Bucht mittags eine schmackhafte Fischsuppe über dem offenen Feuer zu. Eine Herde halbwilder Pferde kommt an den nahen See. Es sollen hier ca. 150 freilaufende Pferde geben. Kurz vor 18.00 Uhr kommen wir zurück zu unseren Mobilen. Wir sind begeistert voller vieler Eindrücke, aber auch redlich durchgeschüttelt.