Reisebericht  Skandinavien

 

11. Mai - ?? 2016

 

Mittwoch, 11. Mai: Endlich ist es so weit. Wir starten mittags nach Travemünde. Es ist ein herrlicher Maitag mit strahlendem Sonnenschein. Wir fahren auf der B 4 durch die Heide nordwärts. Das frische Grün auf den Wiesen und Feldern und auf Büschen und Bäumen ist wunderschön anzusehen. Es herrscht wenig Verkehr, so dass wir gut vorankommen. Wir fahren über Lauenburg und Mölln und gehen erst spät für die letzten Kilometer auf die Autobahn. Gegen 17.30 Uhr treffen wir auf dem Stellplatz im Fischereihafen von Travemünde ein. Rita und Bernhard, die schon früher gestartet sind, trafen kurz vor uns ein. Jetzt sind wir für unsere Skandinavientour komplett. Mit einem Rundgang durch den Hafen beschließen wir den ersten Reisetag.

 

53°57‘34‘‘  10°51‘71‘‘    250 km

 

Donnerstag, 12. Mai: Nach ruhiger Nacht starten wir um 8.00 Uhr zum Skandinavienkai. Unsere Buchungsbestätigung per Internet ist zugleich unser Fährticket, so dass wir uns nirgendwo mehr anstellen müssen. Doch das alles hilft gar nichts. Es gibt ein riesiges Frachtaufkommen. Bis die vielen LKW und –Auflieger verladen sind, verzögert sich die Abfahrt um eine volle Stunde. Durch schmutzige Fensterscheiben haben wir einen letzten Blick auf Travemünde. Bei herrlichem Sonnenschein geht die Fahrt entlang der Ostseeküste. Trotz des starken Windes der letzten Tage ist die See sehr ruhig. Zu unserer Überraschung fährt die Fähre noch Rostock an. Bei der Einfahrt kommen wir an dem großen WOMO-Stellplatz vorbei. Auch hier wird noch einmal kräftig Ladung aufgenommen. Um 20.00 Uhr erreichen wir endlich Trelleborg. Wir stehen mit unserem Mobil in der oberen Fahrzeugetage und zwar genau auf der Rampe, die mit uns dann zu unserer Überraschung abgelassen wird. Eingefahren waren wir über eine andere Rampe, so dass wir gar nicht wussten, dass es mit uns jetzt abwärts gehen sollte. Das war aber nur kurzzeitig der Fall. Der Stellplatz in Trelleborg ist nur 3 km vom Hafen entfernt. So waren wir ruckzuck da. Der Platz ist direkt an der Ostsee aber auch dicht an der stark befahrenen Küstenstraße.

 

12 km  55°22‘32‘‘   13°07‘14‘‘

 

Freitag, 13. Mai 2016: Bereits um 5.00 Uhr werde ich wach. Die Sonne scheint schon jetzt aus allen Knopflöchern. Wir fahren auf unserer Reise nordwärts und kommen daher langsam dem Polarkreis und dem 20./21. Juni und damit der Mitternachtssonne entgegen. Und so werden die Tage jetzt immer länger. Unser Weg führt uns heute entlang der Küstenstraße nach Ystad. Es ist entschleunigtes Reisen angesagt. In den Ortschaften ist Tempo 40 km/h selten 50 km/h angesagt. Außerhalb von Ortschaften 60 km/h –teilweise dürfen wir sogar mit 70 km/h rasen. Das macht der Schönheit der Landschaft aber keinen Abbruch. Das frische Frühlingsgrün, der gelbe Raps, die blühenden Bäume und die gepflegten Orte sind einfach nur schön. In Ystad finden wir einen Stellplatz direkt am Meer. Mit den Fahrrädern geht es in die Stadt. Wir bummeln durch die Fußgängerzone.  An einem indonesischen Imbisstand nehmen wir eine kleine Mahlzeit ein. Gaby, Rita und Bernhard haben Glück. Mich trifft die ganze Schärfe der indonesischen Küche. Hoffentlich brennt das Essen nicht zweimal. Zurück bei den Mobilen genießen wir die Sonne bei einer frischen Maibrise.

 

46 km    55°29‘50‘‘   13°47‘18‘‘

 

Samstag, 14. Mai 2016: Unser heutiges Ziel heißt Karlskrona. In der ersten Stunde haben wir die Straßen ziemlich alleine für uns. Die Schweden schlafen am Pfingstsamstag wohl auch länger. Die Bewölkung nimmt bis in die Mittagszeit zu. Unterwegs fahren wir durch ein Apfelanbaugebiet und genießen die üppige Baumblüte. Gegen 13.00 Uhr erreichen wir Karlskrona. Der Stellplatz befindet sich direkt im Hafen. Nach dem Essen fahren wir mit den Rädern zum Marinemuseum, das sich auf einer Insel befindet. Der Eintritt ist zu unserer Überraschung heute kostenlos. Wir können den Schiffsbau seit seinem Ursprung hier verfolgen. Es beginnt bei der Planung und geht bis zum Modellbau. Wir sehen ein Modell der Festung Karlskrona mit einer Karte der hier versenkten Schiffe. Das Highlight ist ein großes, ausgemustertes U-Boot im Original, das wir auch von innen besichtigen können. Hier können wir nachvollziehen, in welcher Enge die Besatzungen ihren Dienst verrichten. Nach einer weiteren Runde durch die Innenstadt kehren wir zu den Mobilen zurück. An der Kaimauer stehen die Angler und ziehen hier die Heringe am Fließband aus dem Hafenbecken.  Jeder Wurf bringt zwischen zwei und fünf Heringe ein.

 

217 km  56°09‘44‘‘   15°35‘63‘‘

 

Pfingstsonntag, 15. Mai 2016: Seit Mitternacht regnet es kräftig. Ein paar wenige Angler stehen an der Kaimauer als wir starten. Es geht nordwärts. Wir fahren über die riesige Brücke rüber auf die Insel Öland. Eine endlose Schlange an Fahrzeugen kommt uns entgegen. Scheinbar brechen bei diesem Wetter viele Schweden ihren Pfingstausflug ab. Wir fahren in den Süden der Insel. Hier gibt es noch viele Spuren aus der Steinzeit zu sehen. Hier gibt es viel Runensteine und Grabsteinhaufen zu sehen. Der Südteil ist Weltkulturerbe wegen seiner einzigartigen Agrarlandschaft und ständigen Besiedlung. In Egetorp besichtigen wir während einer Regenpause eine große Ringfestung, die wieder hergestellt wurde. Die Größe überrascht uns schon mit den vielen Gebäuden im Innenteil. Wegen des schlechten Wetters fahren wir in den nördlichen Teil nach Borgholm. Kurz vor dem Ort ist die Einfahrt zu den beiden Schlössern – Borgholms Slott, die größte Schlossruine Nordeuropas und Sollidens Slott, das „Sommerhaus“ der schwedischen Königsfamilie. Regen und Sturm lassen uns leider nicht aus den Mobilen heraus.

 

226 km   56°52‘21‘‘   16°38‘89‘‘

 

Pfingstmontag, 16. Mai 2016: Regen und Sturm wüten die ganze Nacht und schütteln das Mobil. In einer Regenpause mache ich noch schnell 2 Aufnahmen von der Schlossruine. Dann geht es los. Wir fahren über die gut 6 km lange Brücke zurück zum Festland. Auf guten Straßen geht es nordwärts. Wir durchfahren viele Mischwälder mit einem großen Anteil von Birken. Mittags erreichen wir Norsholm am Götakanal. Wir blicken direkt auf den Kanal. Hier passieren viele Segelboote. Wir stehen fast an einer Schleuse. Direkt vor und nach der Schleuse stehen Brücken, die für die hohen Masten der Boote gedreht oder gehoben werden müssen.

 

282 km   58°30‘27‘‘   15°58‘41‘‘

 

Dienstag, 17. Mai 2016: Die Nacht war herrlich ruhig. Wir lassen den Tag langsam angehen, denn heute geht es nur weiter nach Stockholm. Die Fahrt geht fast komplett auf der Autobahn. Auf großen Straßen kommen wir bis fast zum Stellplatz in Langholmens Husbilscamping. Wir stehen mitten in der Stadt auf einer kleinen Insel. Es gibt 80 Stellplätze. Es ist alles etwas einfach aber professionell. Jeder Platz hat Stromanschluß. Etwa 18 km vom Platz gibt es auch die Möglichkeit den LPG-Vorrat aufzufüllen. Das wollen wir dann am Donnerstag machen. Wir holen unsere Drahtesel hervor und fahren unsere erste „Sightseeing-Runde“ ins Zentrum. Stockholm ist ein Paradies für Radfahrer. Überall sind  gekennzeichnete Radwege. Fußgänger und Radfahrer haben Vorfahrt im Straßenverkehr. Die Stockholmer fahren allerdings weniger Rad sie rasen. Am Abend zurück auf dem Platz spreche ich einige Asiaten an, woher sie kommen. Es sind fünf Mobile aus Peking. Sie sind über Sibirien entlang unserer Baikaltour von 2013 bis Moskau und dann über St. Petersburg nach Helsinki gefahren. Von dort sind sie nach Stockholm übergesetzt. Sie sind Mitglieder im größten chinesischen Reisemobilclub und haben uns gleich mit Clubaufklebern versorgt. Unser Clubwimpel vom „RMC Braunschweig e.V.“ hängt jetzt am Spiegel eines chinesischen Reisemobils. Sie fahren vier Reisemobile aus deutscher Produktion und eines aus chinesischer Produktion auf einem Iveco-Fahrgestell Made in China. Sie sind seit 36 Tagen unterwegs. Sie haben ein 3-Monatsvisum für Europa. Nach einer Europarundreise wollen sie auf gleichem Weg zurück nach Peking. Es sind Familien mit kleinen Kindern bis hin zu „Großeltern“.

 

167 km   59°19‘13‘‘  18°01‘59‘‘

 

Mittwoch, 18. Mai 2016: Das ist ein toller Service – in der Rezeption gibt es frisch gebackene warme Brötchen, so wie wir es aus Deutschland kennen. Nur der Preis hat kein deutsches Niveau. Die junge Schwedin, die hier heute Dienst hat, klärt über das Internet die Angaben unserer Fährbuchung nach Turku/Finnland ab. Dann geht es wieder auf die Räder. Wir fahren in die Altstadt von Stockholm. Wir gehen hier bummeln und besichtigen das Schloss. Am beeindruckendsten ist aber die Wachablösung, die täglich um 12.15 Uhr erfolgt. Es ist ein Bärenspektakel. Die ganze Prozedur wird von zwei großen Wachmannschaften und einem gewaltigen Musikkorps abgehalten und dauert eine geschlagene halbe Stunde. Nach dem folgenden Mittagessen fahren Gaby und ich fußkrank zurück zum Stelllatz. Rita und Bernhard sind unermüdlich und machen weiter die Stadt unsicher.

 

Donnerstag, 19. Mai 2016: Nach dem Frühstück machen wir uns mit den Mobilen auf den Weg zum Gastanken. Ganz versteckt in einem Industriegebiet finden wir dann die Station. Vor uns wird gerade ein Franzose mit seinem Mobil betankt. Bei uns passen nach den kalten Tagen mit Heizung schon wieder 10,5 Liter Gas in den Tank. Das kostet 100 Kronen entsprechend ca. 11,50 €.

 

Bei dieser Fahrt kommen wir zweimal an einer Anzeige für Citymaut vorbei. Bei der Anfahrt vor zwei Tagen ist uns das auch schon einmal aufgefallen. Wir fragen auf dem Platz nach, wo wir bezahlen sollen. Wir erfahren, dass die Rechnung nach Hause kommt und wir dann überweisen müssen.

 

Zurück auf dem Platz entsorgen wir noch und füllen wieder unsere Trinkwasservorräte auf. Bernhard und ich entschließen uns, dem Vasamuseum noch einen Besuch abzustatten. Also rauf auf die Räder und ab geht’s. Die Vasa ist ein gewaltiges Kriegsschiff von 1628, das allerdings schon auf seiner Jungfernfahrt  nach wenigen Minuten kenterte und mit Mann und Maus unterging. Sie war total kopflastig. 1961 wurde das Wrack wieder gehoben und die mehr als 14.000 Einzelteile wieder mühsam zusammengesetzt. Heute steht die Vasa mit einer Länge von 69 m und einer Höhe von 48,8 m in einem eigens dafür gebauten Museum. Ein wirklich imposantes und beeindruckendes Schiff.

 

Gastankstelle  59°13‘53‘‘   17°49‘41‘‘

 

Freitag, 20. Mai 2016: Heute muss einmal der Wecker klingeln. Um 5.00 Uhr starten wir zum Fährhafen. Um 6.00 Uhr Einchecken, 7.15 Uhr pünktliche Abfahrt. Mit uns ist auch eine holländische Caravantruppe mit 14 Gespannen aufgefahren, die 60 Tage durch Skandinavien fahren wollen. Unsere Fähre, die Baltic Princess der Tallink Silja Line ist riesig und innen toll aufgemacht – da kommt fast Kreuzfahrtfeeling auf. Aber die Klimaanlage stellt uns schon auf arktische Verhältnisse ein – es ist a…..kalt. Manche Finnen oder Schweden an Bord stört das aber wenig. Sie sind sommerlich bekleidet. Wir ziehen während der 11stündigen Überfahrt unsere Fleecejacken jedoch nicht aus. Zwischenzeitlich wird uns eine kleine Notfallübung geboten, die uns aber nicht überzeugen kann. Man gut, dass wir Optimisten sind. Entschädigt werden wir aber auf ganzer Linie mit der traumhaften Landschaft der Schärenwelt vor Stockholm genau wie vor der finnischen Küste. Das Entladen in Turku/Finnland geht rasch von statten. Nach 13 km erreichen wir unseren Übernachtungsplatz. Wir stehen auf einem Parkplatz an einer Tankstelle mit Imbiss. Nicht schön aber für den ersten Abend ausreichend.

 

24 km   60°25‘07‘‘   22°22‘57‘‘

 

Samstag, 21. Mai 2016: Nach dem Frühstück fahren wir erst noch einen Supermarkt für einige nötige Einkäufe an. Nachdem wir dann auch noch getankt haben, starten wir zu unserer Schärenrundfahrt. Wir erleben Natur pur. Das frische Grün erschlägt uns fast. Es geht durch eine beeindruckend schöne Landschaft auf die Schäreninseln. Es geht von einer zur nächsten Insel entweder über Brücken oder auch zweimal mit einer Fähre. In Pärnäs machen wir auf einem Parkplatz vor der Fährstation Station.

 

73 km   60°09‘48‘‘  21°42‘29‘‘

 

Sonntag, 22. Mai 2016: Nach dem Frühstück bringen wir Rita unsere Glückwünsche zu ihrem Geburtstag. Mit einem Sektfrühstück starten wir dann in den Tag. Wir wollen unsere Rundfahrt durch die Schärenwelt fortsetzen. Auf die Fähre zur Überfahrt nach Houtskär müssen wir fast eine Stunde warten. Bei der Auffahrt zur Fähre müssen wir dann aber feststellen, dass die Weiterfahrt dann zur nächsten Insel nur im Sommer ab dem 1. Juni möglich ist. Also machen wir sofort in Houtskär kehrt und fahren zurück. Wir suchen nach einem anderen Platz – doch leider vergeblich. Die schmalen Straßen zum Wasser enden immer an Privatgrundstücken. Es finden sich keine Gelegenheiten für die nächste Station. Also kehren wir zurück zum Parkplatz der vergangenen Nacht. Hier verbringen wir den Nachmittag bei Kaffee/Tee und Kuchen. Zum Abendessen hat Rita eingeladen.

 

Montag, 23. Mai 2016: Wir verlassen heute die Schärenwelt. Unser Weg führt uns nach Rauma. Hier ist die „Alte Stadt“, das frühere Zentrum Weltkulturerbe. Die ca. 600 Gebäude der Altstadt stellen die besterhaltenen Holzhauszentren Skandinaviens dar. Anfangs stehen wir am Stadtrand bei einem Einkaufszentrum mit Tankstelle und Rastplatz auch für LKW und WOMO. Bei der Stadtbesichtigung per Fahrrad entdecken wir aber einen ruhigeren großen Platz (Festplatz?). Hierher setzen wir für die Nacht um.

 

182 km   61°07‘25‘‘   21°30‘08‘‘

 

Dienstag, 24. Mai 2016: Unser heutiges Ziel heißt Helsinki. Wir fahren die Route durch das Land. Die Straßen sind in überwiegend guten Zustand und mäßig befahren. Hier merkt dann doch die geringe Bevölkerungsdichte Finnlands. Es wird sehr gesittet und ruhig gefahren. Riskante Überholmanöver gibt es bis jetzt nicht. Die Geschwindigkeitsbeschränkungen werden eingehalten. Die Geldstrafen sollen allerdings auch drakonisch sein. Wir treffen mittags in Helsinki ein. Hier finden wir sehr zentral auf einem Parkplatz vor dem alten Olympiastadion eine Stellmöglichkeit. Der Platz kostet zwischen 9.00 und 19.00 Uhr je Stunde einen €. Nach dem Essen schwingen wir uns auf unsere Räder zur ersten Stadterkundigung. Es gibt im Straßenverkehr eine klare Rangordnung. An erster Stelle stehen die Fußgänger, dann kommen die vielen Radfahrer und als letztes die Autofahrer, die daher manchmal kaum über einen Zebrastreifen kommen. Das Radfahren ist ebenso chaotisch wie in Stockholm. Helsinki ist eine moderne und brodelnde Hauptstadt. Die breiten Fußwege, Fußgängerzonen und Esplanaden sind voller Menschen. Dazwischen rauschen die Radfahrer durch.  Aber es funktioniert. Wir fahren durch bis kurz vor den Marktplatz mit vielen bunten Ständen voller Souvenirs und Speisen. Am Hafen starten wir zu einer Rundfahrt um die vielen vorgelagerten Inseln. Zurück auf unserem Parkplatz füllt sich dieser bis auf den letzten Platz und viele Autos fahren unverrichteter Ding weiter. In der Nähe des Platzes befindet sich die Finnische Nationaloper. Hier gibt es heute Abend eine besondere Aufführung.

 

243 km   60°10‘59‘‘   24°55‘42‘‘

 

Mittwoch, 25. Mai 2016: Um 10.00 Uhr starten wir zur Stadtrundfahrt. Wir haben gestern ein Combiticket mit Boots- und Stadtrundfahrt gelöst. Wir steigen wieder kurz vor dem Marktplatz aus. Doch nach wenigen 100 Metern knicke ich in einer tiefen Senke im Asphalt um und kann erst einmal nicht mehr auftreten. Ich werde sofort so umsorgt, als wenn mein letztes Stündlein nicht mehr fern ist. Kurz danach geht es humpelnd durch die alte historische Markthalle. In den alten Ständen werden heute aber nur noch Spezialitäten und Leckereien angeboten. Dann geht es weiter über den Markt. Vor der orthodoxen Kirche mit vielen Treppenstufen bleibe ich zurück. Nach einem leckeren Lachsteller mit Gemüse und kleinen Kartöffelchen trennen wir uns. Rita und Bernhard erkunden die Stadt weiter alleine und Gaby begleitet mich zurück zum Mobil. Für meinen Knöchel ist etwas Ruhe besser. Der ist geschwollen und ich werde mit einem Retterspitzumschlag ruhig gestellt. Bernhard und Rita haben unter anderem noch den Dom und auch die berühmte Felsenkirche besichtigt und einige Fotos mitgebracht.

 

Donnerstag, 26. Mai 2016: Das erste was wir nach dem Frühstück erfahren, Bernhard hat gestern Abend ein Zahninlay verloren. So gehen Bernhard und ich los, einen Zahnarzt zu finden. Nach dem dritten Anlauf haben wir Glück. Bernhard wird auch schnell behandelt und das Inlay wird wieder eingeklebt. Um 11.00 Uhr starten wir dann nordwärts. Das Wetter heute ist trüb. Erst nieselt es nur. Dann aber regnet es ganz schön heftig. In Hattula machen wir an der Heilig-Kreuz-Kirche Zwischenstation. Neben dem Turkuer Dom ist es die einzige Kirche Finnlands, die aus Ziegelsteinen gemauert ist. Im Inneren ist sie durch 190 Wandmalereien mit Szenen aus dem Alten und Neuen Testament geschmückt. Die Kirche ist erbaut um 1350, die Malereien stammen von 1510. Anschließend fahren wir weiter nach Kotimäki. Hier ist ein Stellplatz, der auf einer Skandinavien-App aufgelistet ist. Alles ist einfach und primitiv – außer dem Preis. Aber wir brauchen morgen Frischwasser.

 

114 km   61°06‘58‘‘  24°20‘45‘‘

 

Freitag, 27. Mai 2016: Morgens wird erst einmal Frischwasser gefasst. Nach kurzem Umbau des Frischwasserhahnes geht das dann auch problemlos. Dann geht es auf die Straßen in Richtung Norden. Wir fahren östlich um den großen Päjänne-See. Wir suchen hier einen Platz für unsere Mobile, wo wir auch angeln können. Doch alle Wege, die von den Straßen weg führen, enden vor Wohn- oder Wochenendhäusern bzw. Privatwegen. Nach langem Suchen finden wir einen kleinen Platz unterhalb einer Brücke vor einem Privatgrundstück. Hier können wir gut stehen. Vor dem Bau der Brücke war hier offensichtlich eine Anlegestelle für die Fähre zur gegenüber liegenden Station. Von der Anlegestelle können wir die ersten Ruten auswerfen. Die Seeufer liegen sonst meistens hinter dichten Schilfgürteln und Seerosenbewuchs. Da bleibt dann jeder Haken hängen. Bernhard hat nach wenigen Würfen Glück. Ein Hecht von gut 40 cm. hat angebissen. Es ist Bernhards erster Hecht überhaupt.

177 km   61°44‘33‘‘   25°33‘53‘‘

Samstag, 28. Mai 2016: Weiter geht’s. Unser heutiges Ziel heißt Kuopio. Die Fahrt führt durch viele Wälder und an vielen Seen vorbei. Es ist Natur pur. Die Straßen, selbst die Nebenstrecken, sind in gutem Zustand. Mittags erreichen wir Kuopio. Es ist mit ca. 90000 Einwohnern die achtgrößte Stadt Finnlands. Nach einigem Suchen finden wir in Zentrumsnähe einen Parkplatz. Leider muss ich nach kurzer Zeit den Rundgang zur Besichtigung abbrechen. Nach dem Umknicken in Helsinki ist mein Fuß geschwollen und es bildet sich ein Bluterguss. Der macht mir wohl Probleme und bereitet Schmerzen. Die anderen besichtigen den großen Marktplatz, das Rathaus, eine Kirche und den Binnenhafen. Hier legt gerade ein Fahrgastschiff an. Die Stadt ist außerordentlich gepflegt und hat sehr viele Grünanlagen.

Zum Abendessen haben Rita und Bernhard den Hecht filetiert und mit Bacon umwickelt. Jetzt kommt er in die Pfanne. Das feste Fleisch mit der Bratenkruste und dem krossen Bacon schmecken ganz vorzüglich. Gaby hatte vorweg eine Zucchini-Cremesuppe gekocht. Es war alles perfekt. Da der Hecht noch jung war, waren die Y-Gräten auch noch nicht so groß und noch recht weich.

 

 

217 km   62°53‘39‘‘   27°39‘57‘‘

 

Sonntag, 29. Mai 2016: Wir verlassen Kuopio und fahren in nordöstlicher Richtung immer auf der Suche nach einer passenden Gelegenheit zum Stehen mit den Mobilen. Selbst ein langer Abstecher auf einer Nebenstrecke von ca. 13 km endet entlang eines Sees in einer Sackgasse. Also geht es wieder 13 km zurück zur Straße. Am Ende einer weiteren Nebenstrecke finden wir einen Campingplatz. Wir sind die einzigen Gäste und auch sonst ist niemand hier. Die Sanitärgebäude sind aber offen und morgen soll wohl auch wieder jemand da sein. Am Abend sitzen wir noch vor den Mobilen und prompt kommen die ersten Mücken. Als diese zu aufdringlich werden, gehen wir gegen 22.00 Uhr in die Mobile.

 

170 km   63°35‘12‘‘  28°33‘42‘‘

 

Montag, 30. Mai 2016: Ruhetag

 

Dienstag, 31. Mai 2016: Wir wollen einen Stellplatz am Wasser suchen. Nach einer voraussichtlichen Möglichkeit in knapp 50 km sind dann aber schnell 159 km geworden. Und auch hier stehen wir auf einem Campingplatz direkt am Wasser, der allerdings erst am 3. Juni offiziell öffnet. Es ist kein Verantwortlicher weit und breit zu sehen. So stehen wir dann am Pielinen-See nördlich von dem Ort Koli. Es ist herrliches Wetter, so dass wir am Abend den Grill heraus holen und ein Stück Fleisch aufs Feuer legen. Wir sitzen noch einige Zeit vor den Mobilen, bis uns die Mücken vertreiben.

 

159 km   63°09‘02‘‘   29°50‘43‘‘

 

Mittwoch, 1. Juni 2016: Ruhetag Heute hat es sich eingetrübt. Zum Nachmittag backen Rita und Bernhard Waffeln in Oma’s Waffeleisen.

 

Donnerstag, 2. Juni 2016: Wir wollen heute den Pielinen-See weiter umrunden und einen schönen Platz für uns suchen. Doch noch bevor wir starten, helfen wir einem Finnen sein Boot auf den Trailer zu ziehen. Gute Taten werden manchmal auch belohnt. Wir bekommen zwei fangfrische Zander geschenkt. Die werden noch schnell geputzt. Dann geht es los. Unser Ziel ist Lieksa aus der gegenüber liegenden Seite des Sees. Doch schon auf dem südlichen Teil finden wir unterhalb der Straße einen schönen Platz, der sogar für Camper ausgewiesen ist. Ein finnisches Paar mit Wohnwagen steht auch schon hier. 40 Meter von unserem Mobil ist ein schmaler Sandstrand. Hier baden sogar zwei finnische Kinder. Gaby und Bernhard müssen das natürlich auch gleich probieren. Ihr Einsatz ist aber nur kurz. Das Wasser hat eine Temperatur von ca. 12° - 15° Celsius. Inzwischen ist ein deutsches Mobil noch hier eingetroffen. Ines und Wolfi kommen aus der Nähe des Chiemsees. Mit ihnen sitzen wir in fröhlicher Runde noch bis spät beim „Ratschen“ zusammen. Bei uns sagt man Klönen. Wolfi hat zu viel alkoholisches an Bord für die Weiterfahrt nach Norwegen und wir müssen helfen, die Menge zu reduzieren. Ein 5-Liter Fässchen Bier haben wir eingedampft.

66 km   62°56‘58‘‘  30°05‘44‘‘

Freitag, 3. Juni 2016: Ruhetag Ich pflege meinen Fuß. Die Schwellung und die Schmerzen nehmen langsam ab. Bernhard versucht die Fische zu verführen. Bei einer großen Brasse von 45 cm hat er dann auch Erfolg. Es kühlt sich ab und frischer Wind kommt auf. Am frühen Nachmittag regnet es dann für ein halbe Stunde kräftig. Wir helfen noch einmal, die Biervorräte von Wolfi und Ines zu reduzieren. Wir dürfen uns nicht finanziell an der Vernichtungsaktion beteiligen. Ganz im Gegenteil wir müssen auch noch 3 verschiedene Biere mit zu uns in die Mobile nehmen. Vielen Dank!

Samstag, 4. Juni 2016: Ines und Wolfi fahren heute weiter. Es hat sich weiter abgekühlt – aber die Sonne scheint. Bernhard und ich gehen zum Angeln. Nach wenigen Würfen habe ich einen schönen Hecht am Haken. Bernhard hilft ihn aus dem Wasser zu holen. Schon auf dem Steg macht er sich aber wieder los und weg ist er. Pech schon zum zweiten Mal. Als Bernhard seinen ersten Hecht hatte, habe ich auch einen Biss gehabt. Die Bissspuren auf dem Köder waren eindeutig Hecht. Irgendwann wird es schon klappen.

Sonntag, 5. Juni 2016: Um 10.00 Uhr geht es weiter nordwärts. Zuerst halten wir in Lieksa beim Lidl, der um 11.00 Uhr sonntags öffnet. Hier füllen wir unsere Vorräte wieder auf. Dann geht es weiter auf einer Nebenstrecke entlang der Grenze zu Russland nordwärts. In Nurmijärvi will Gaby unbedingt ostwärts zur russischen Grenze. Einfach einmal rüber schauen. Es sind ja nur 17 km. So fahren wir denn 17 km Schotterpiste, um dann vor einem Schild und Schlagbaum zu stehen. Es ist grüne Grenze ohne freie Sicht nach Osten. Die Strecke geht entlang einer Gefechtslinie aus dem 2. Weltkrieg, wo die Finnen sich gegen die Russen zur Wehr gesetzt haben. Hier mittendrin finden wir einen Abzweig zu einem abgelegenen See mit einigen Grillplätzen, an denen wir auch übernachten können. Die Grillplätze sind mit tollen Feuerstellen mit Grill, Holzvorräten und Toilettenhäusern ausgestattet. Die Grills sind komplett mit Rost, Fischgittern, Spießen und Löscheimern ausgestattet. In der einen Grillhütte stehen sogar zwei Pfannen. Hier kann sich jeder bedienen und keiner nimmt hiervon etwas weg. Wie würde das wohl bei uns in Deutschland aussehen? Den Abend schließen wir mit einem Lagerfeuer ab, bis uns die Kälte in die Mobile treibt.

 

97 km   63°34‘39‘‘   30°05‘06‘‘

 

Montag, 6. Juni 2016: Heute früh haben wir ganz 5° C Außentemperatur – da muss die Heizung ran. Wir verlassen unsere Einöde und weiter geht es nordwärts. Die Wettervorhersage droht für die nächste Zeit kalte Tage und kältere Nächte an. Da brauchen wir wohl häufiger die Heizung und dann kann das Gas knapp werden. In ganz Finnland gibt es aber keine Möglichkeit die Vorräte aufzufüllen. Die nächste Möglichkeit gibt es erst wieder in Norwegen. Auf unserem Weg entlang der russischen Grenze passieren wir zuerst Kuhmo. Hier tanken wir und nehmen an der Tankstelle auch wieder Wasser auf. Dann geht es nach Suomussalmi weiter. Auf dem Weg machen wir einen Abstecher zu einem Braunbärenzentrum. Hier kann man Beobachtungshütten mieten. Diese darf man zwischen 17.00 Uhr und 7.00 Uhr jedoch nicht verlassen. Die Hütten sind nur als Schutz vor den Bären gedacht. Es gibt keine Heizung und keinerlei sonstigen Komfort wie Wasser oder Betten. Die Bären interessieren uns schon, aber das Andere schreckt uns ab. Wir fahren weiter. Kurz vor Suomussalmi gibt es eine Gedenkstätte mit Soldatenfriedhof für den Winterkrieg Finnland gegen Russland im Winter 1939/1940. Hier haben die Finnen eine überlegene russische Streitmacht erfolgreich zurück geschlagen. Am Ortseingang von Suomussalmi finden wir einen Parkplatz am See für die kommende Nacht.

 

235 km  64°53‘07‘‘   28°55‘04‘‘

 

Dienstag, 7. Juni 2016: Die Nacht war ruhig aber kalt. Wir mussten heute früh wieder die Heizung einschalten. Der letzte Blick über den kleinen Sportboothafen vor unserer Tür ließ uns Birken mit rotem Laub entdecken. Ob das eine hiesige Neuzüchtung ist? Bei anfangs herrlichem Sonnenschein setzen wir unsere Fahrt gen Norden fort. Wir fahren über Kuusamo bis Koillislappi kurz vor Posio. Hier ist neben einem Parkplatz am See auch ein Bereich für Camper vorgesehen. Bernhard und ich werfen hier unsere Angeln aus – leider vergeblich. Zum Abendessen bereiten Bernhard und Rita „Chappi“, das uns wieder einmal gut schmeckt. Kurz danach werden die Mücken so aggressiv, dass wir fluchtartig in die Mobile gehen.

 

(Fleischkäse in Streifen anbraten, Zwiebeln dazugeben bis glasig, dann Pusztasalat aus Gläsern ohne Flüssigkeit zugeben und erhitzen, mit reichlich Paprika edelsüß abstäuben, mit Kondensmilch zur Paprika-Sahne-Soße auffüllen, dazu ein Baguette zum Soße auftitschen – guten Appetit)

 

189 km   66°05‘39‘‘  28°24‘47‘‘

 

Mittwoch, 8. Juni 2016: Die ganze Nacht hat es immer leicht geregnet. So geht es auch weiter auf unserer Fahrt nach Rovaniemi. Unterwegs stoßen wir auf eine Baustelle russischer Art. Mittags treffen wir im Weihnachtsmanndorf von Rovaniemi ein. Hier ist nicht nur der Weihnachtsmann los – der Teufel auch. Besucher aller Nationalitäten tummeln sich hier. Im Santa Claus Post Office können Briefe und Post versandt werden mit sofortiger Zustellung oder aber auch mit der Zustellung zu Weihnachten. 32000 Briefe und Karten sollen hier täglich aufgegeben werden. Souvenirgeschäfte und Restaurants bestimmen das Bild. Das Weihnachtsmanndorf steht direkt auf dem Polarkreis. Auf einem Parkplatz finden wir Platz für die nächste Nacht.

 

142 km    66°32‘37‘‘  25°51‘06‘‘

 

Donnerstag, 9. Juni 2016: Wir stehen im Weihnachtsdorf am Polarkreis – warum soll da kein Schnee fallen. Bi einer Morgentemperatur von 1° C fällt der Schnee in dicken Flocken. Bis zum Start um 9.30 Uhr geht es dann aber langsam in Regen über. Wir fahren ein Stück ostwärts, um dann über Kemijärvi entlang des Flusses Kemijoki weiter nordwärts zu kommen. Das Wetter ist trüb und regnerisch. In Sodankylä machen wir Rast vor der ältesten Holzkirche Lapplands und einer der ältesten Finnlands. Sie wurde im Jahre 1689 aus knorrigen dicken Kiefernbalken gebaut, die nie einen Tropfen Farbe abbekommen haben. 1859 wurde keine 100 Meter entfernt eine neue aus Stein erbaut. Dafür wurde der alte Glockenturm abgerissen. Anschließend geht es weiter bis kurz vor Tankavaara. Hier machen wir vor dem Golddorf mit Museum Station.

 

274 km   68°10‘38‘‘  27°05‘53‘‘

 

Freitag, 10. Juni 2016: Um 9.00 Uhr öffnet das Goldgräbermuseum. Wir sind die ersten Besucher. In einer großen Ausstellung ist viel aus der Geschichte des Goldsuchens in Finnland und aus 20 weiteren Ländern rund um den Globus zusammen getragen. Es ist sehr beeindruckend. Auf dem Freigelände stehen Gerätschaften und Häuser aus der vergangenen Goldgräberzeit in Finnland. Die Fassade einer Westernstadt darf natürlich auch nicht fehlen. Hier hat auch ein deutscher Geologe und immer noch aktiver Goldschürfer seinen Stand. Seit 27 Jahren ist er immer im Sommer hier und seit drei Jahren lebt er ganz in Tankavaara. Weiter führt uns unser Weg nach Ivalo. Hier wollen wir nach Osten in einen Ort, wo eine besondere Volksgruppe der Samen lebt. Doch nach rund 10 km Piste geben wir auf und kehren um. An einem Abzweig mit Straße zur russischen Grenze sehen wir auf einem Wegweiser, dass wir keine 300 km von Murmansk entfernt sind. Zwischen Ivalo und Inari finden wir einen ruhig gelegenen Stellplatz. Hier steht ein bereits ein finnisches Reisemobil. Wir unterhalten uns auf Englisch. Der Finne war Bezirksdirektor bei einem finnischen Supermarktfilialisten.

 

137 km   68°49‘05‘‘   27°19‘31‘‘

 

Samstag, 11. Juni 2016: Unsere erste Station heute ist in Inari das SIIDA-Museum. Es ist das Museum Lapplands und der Samen. Es vermittelt einen grandiosen Einblick in Flora und Fauna, in seine Menschen und deren Verhältnis zur Natur und ihren Rentieren und Lebensgewohnheiten bis in die kürzere Vergangenheit. Das alles kann ich hier nicht in Worte fassen. Weitere Informationen holt euch bitte aus dem Internet über G…. und Wikipedia. Wir waren drei Stunden im Museum und hätten Informationen für drei Tage sammeln können. Anschließend fahren wir zur Grenze nach Norwegen. Auf finnischer Seite fahren wir entlang des Grenzflusses Teno. Die Straße soll die schönste Finnlands sein. Der Fluss entwickelt sich zum Strom und windet sich durch eine phantastische Landschaft nordwärts. In Ustjoki am Grenzübergang machen wir noch auf finnischer Seite Station.

 

214 km   69°54‘28‘‘   27°01‘28‘‘

 

Sonntag, 12. Juni 2016: Nach dem Frühstück fahren wir über die Hängebrücke und somit über die Grenze nach Norwegen. Der Fluss heißt auf finnischer Seite Teno und auf norwegischer Tana. Die Straßen auf der finnischen Seite waren in besserem Zustand wie in ganz Finnland. Wir fahren auf der 98 bis Ilfjord. Unterwegs umfahren wir den ersten kleinen Fjord. Die Panoramen, die sich uns hier bieten, sind schon ganz gewaltig. Dann geht es weiter in den Norden entlang der Küste oder durch das Inland. Hier stehen vor den „Pässen“ schon die ersten Schranken, die wohl bei Straßenglätte und vielleicht auch bei tiefliegenden Wolken geschlossen werden. Pässe gehen hier nur selten über 300 bis max. 350 m hoch. Wegen der geographischen Lage so weit im Norden überschreiten wir aber schon vor 200 m Höhe die Baumgrenze. An Bäumen stehen hier fast nur polare Birken. Sie werden nicht hoch und die Stämmchen und Zweige verfärben sich meistens schwarz. Wir sehen reichlich Rentiere, viele hoch gelegene Seen, z. T. Moose und Flechten und viele Felsen, die meistens aus Schiefer sind. Wir erreichen den Ort Kjollefjord, ein kleiner Fischerort im gleichnamigen Fjord. Den ausgewiesenen Stellplatz gibt es nicht mehr, der musste einer neuen Fischhalle weichen. Wir stehen im Ort direkt am Hafenbecken. Während ich diese Zeilen schreibe, ertönt ein lautes Horn und es läuft im Hafen ein Schiff der Hurtigruten ein. Nach 20 Minuten sind einige Passgiere von Bord gegangen und das Schiff legt wieder ab.

 

265 km   70°56‘49‘‘   27°20‘03‘‘

 

Montag, 13. Juni 2016: Es ist trüb und regnerisch. In Kjöllefjord gibt es außer dem Fischereihafen nicht viel zu sehen. Wir suchen einen Bankomaten, um uns mit norwegischen Kronen zu versorgen. Im COOP-Supermarkt werden wir dann fündig. Bernhard hat Probleme mit der Sat-Anlage. Ein Ersatzteil finden wir hier im Ort auch nicht. Daher fahren wir weiter nach Gamvik. Ein vor uns fahrendes Mobil treibt eine kleine Rentierherde vor sich her. Rechts sind die Felsen und links die Leitplanke. Erst als rechts eine Wiese kommt, biegen die Tiere ab und finden Erlösung. Gamvik ist ein kleines Fischerdorf mit niedlichen kleinen Holzhäusern. Am gusseisernen Leuchtturm Slettnes machen wir in der arktischen Landschaft Station. Hier gibt es frische Waffeln und heißen Kaffee satt. Außerdem soll es hier W-LAN geben. Funktioniert im Moment aber nicht. Wir haben von hier einen Blick auf die Barentssee. Für den frühen Abend haben wir unser Essen (Fischburger gibt es nur) bestellt und bezahlt, da auf unser frisches Geld vom Bankomat sie hier auf kleinere Beträge nicht herausgeben können.

 

58 km   71°05‘18‘‘   28°13‘04‘‘

 

Dienstag, 14. Juni 2016: Das Wetter hat sich verschlechtert. Es regnet und die Temperatur ist auch gefallen. Also geht es weiter. Ca. 50 km weiter südlich haben wir die karge polare Landschaft verlassen. In Südlage, wo die Sonne hinkommt, wachsen wieder die ersten Sträucher und Bäume. Das frische Grün erfreut sogleich das Auge. Die Straße ist schmal, kurvig und sehr wellig. Die Federungen unserer Autos müssen schon einiges verkraften. Die Temperatur steigt auch wieder von 4° auf 8 – 9°C an. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir nahe am Ende der europäischen Landmasse uns befinden. Der letzte Platz war auch der nördlichste Punkt des europäischen Festlandes, der per Straße erreichbar ist. Ca. 15 km vor Lakselv, tief im Porsangenfjord, halten wir am Strand für unsere Nachtstation.

 

227 km   70°07‘59‘‘   25°15‘16‘‘